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Wie Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung korrekt ausfüllen

by UInfo
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Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, erhält wenige Tage bzw. Wochen nach seiner Gewerbeanmeldung Post vom Finanzamt. Denn zu Beginn einer selbstständigen Tätigkeit müssen Sie diese bei Ihrem zuständigen Finanzamt melden. Das erfolgt über den sogenannten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.

Im Beitrag beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen, die Sie für das korrekte Ausfüllen und die Abgabe des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung einer gewerblichen, selbstständigen oder freiberuflichen Tätigkeit wissen müssen.

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: So füllen Sie ihn richtig aus (Bild: www.formulare-bfinv.de)

Wer einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben muss?

Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung muss von jedem ausgefüllt werden, der ein Gewerbe angemeldet hat, eine freiberufliche oder sonstige selbstständige Tätigkeit ausübt. Das betrifft also Einzelunternehmer genauso, wie Personen- oder Kapitalgesellschaften.

Dementsprechend existieren auch die drei verschiedene Arten von Fragebögen:

  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung / Aufnahme einer gewerblichen, selbstständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit oder Beteiligung an einer Personengesellschaft/ -gemeinschaft
  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung / Gründung einer Personengesellschaft
  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung / Gründung einer Kapitalgesellschaft bzw. Genossenschaft

In diesem Beitrag betrachten wir ausschließlich den im Rahmen einer Unternehmensgründung am meisten relevanten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung / Aufnahme einer gewerblichen, selbstständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit oder Beteiligung an einer Personengesellschaft/ -gemeinschaft.

Warum Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben müssen?

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung dient der Registrierung einer selbstständigen Tätigkeit bei der zuständigen Finanzbehörde.  Keine Rolle spielt dabei, um welche Unternehmensform es sich handelt oder ob die Tätigkeit freiberuflich erfolgt.

Nach Abgabe des Fragebogens erhalten Sie eine individuelle Steuernummer für Ihr Gewerbe, mit der Sie beim Finanzamt geführt werden. Diese ist z.B. wichtig bei der Rechnungsstellung oder Vorgängen wie der Umsatzsteuer-Voranmeldung.

Wie erhält man den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung?

Nachdem Sie Ihr Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt angemeldet haben, sendet Ihnen ihr zuständiges Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung automatisch zu.

Anders ist die Lage bei Freiberuflern, denn hier entfällt der Schritt der Gewerbeanmeldung. Hier muss sich der Freiberufler direkt nach der Gründung selbstständig beim Finanzamt melden, damit er den Fragebogen erhält.

Welche Angaben müssen auf dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung gemacht werden?

Am Anfang des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung geben Sie im Punkt 1 den Namen Ihres zuständigen Finanzamtes ein (Finanzamt, an den Sie den Bogen schicken). In Punkt 2 wird nach der Steuernummer gefragt. Da Sie diese für ihre gewerbliche Tätigkeit erst noch zugewiesen bekommen, wird dieses Feld im Allgemeinen frei gelassen.

Punkt 3 kreuzen Sie an, wenn Sie den Fragebogen aufgrund der Aufnahme einer gewerblichen, selbstständigen oder freiberuflichen Tätigkeit abgeben, was vermutlich bei allen Lesern hier der Fall ist. Punkt 4 müssen Sie nur ankreuzen, wenn Sie sich an einer Personengesellschaft Beteiligen, war eher selten der Fall sein wird.

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung unterteilt sich in acht Teilabschnitte, in denen Sie folgende Angaben machen müssen:

Abschnitt 1: Allgemeine Angaben

In den Punkten 5 bis 11 müssen Angaben zur Steuerpflichtigen Person wie Name und Anschrift gemacht werden, also von Ihnen als Gründer. Die Adresse ist in der Regel die Anschrift des Unternehmenssitzes.

In das Feld bei Punkt 12 tragen Sie Ihre Steueridentifikationsnummer ein, die Sie beispielsweise auf Ihrem letzten Steuerbescheid finden. Punkt 13 fragt ab, ob Sie verheiratet, verwitwet oder geschieden sind. Im Falle einer Ehe bzw. Lebenpartnerschaft machen Sie in den Punkten 14 bis 20 Angaben zum Partner.

In den Punkten 21 bis 24 teilen Sie dem Finanzamt mit, wie es mit Ihnen kommunizieren kann (Tel, Mail, Internet).

Unter den Punkten 25 und 26 müssen Sie die genau Bezeichnung Ihrer gewerblichen Tätigkeit eintragen. Am besten nehmen Sie hier die Angaben aus der Gewerbeanmeldung.

Ihre gewerbliche Bankverbindung tragen Sie unter den Punkten 27 bis 30 ein. Achtung: Nehmen Sie hier unbedingt die für Ihre selbstständige Tätigkeit eingerichtete Bankverbindung, tragen Sie also nicht Ihre private Bankverbindung ein. Sonst landen schnell Zahlungen aus der Umsatzsteuervoranmeldung auf dem Privatkonto. Vermischen Sie auf keinen Fall privat und gewerblich, sonst können Sie bei der Buchhaltung schnell den Überblick verlieren.

In den Punkten 31 bis 38 können Sie nochmals getrennt Bankkonten eingeben, auf die jeweils Personensteuererstattungen und Betriebssteuererstattungen erfolgen sollen. Wollen Sie am SEPA-Lastschriftverfahren teilnehmen, teilen Sie das dem Finanzamt unter Punkt 39 mit. Dadurch vermeiden Sie auch, mit Steuerzahlungen in Rückstand zu geraten.

Falls Sie steuerliche Beratung in Anspruch nehmen, müssen sie in den Punkten 40 bis 48 Angaben zum Berater machen. Gibt es eine dritte Person, die Sie als Empfangsbevollmächtigten benennen wollen, tragen Sie diesen in den Punkten 49 bis 59 ein. Das kann beispielsweise Ihr Steuerberater sein. Eine entsprechende Vollmacht kann vom Finanzamt nur berücksichtig werden, wenn diese beigefügt ist.

Sind Sie erst innerhalb der letzten 12 Monate in den Bereich des zuständigen Finanzamtes zugezogen, müssen Sie in den Punkten 60 bis 66 Angaben zu den bisherigen persönlichen Verhältnissen machen.

Abschnitt 2: Angaben zur gewerblichen, selbständigen oder freiberuflichen Tätigkeit

Im zweiten Abschnitt machen Sie in den Punkten 67 bis 74 Angaben zum Unternehmenssitz sowie dem evtl. abweichenden Sitz der Geschäftsleitung.

In den Punkten 75 bis 77 teilen Sie dem Finanzamt Ihre aktuellen Kommunikationsverbindungen mit, in Punkt 78 den exakten Beginn Ihrer Tätigkeit.

Besitzt Ihr Unternehmen bereits in der Anfangsphase weitere Betriebsstätten, müssen Sie diese in den Punkten 79 bis 90.

Gibt es schon einen Handelsregistereintrag für Ihr Unternehmen, müssen Sie die Angaben in den Punkten 91 bis 95 erfassen.

In den Punkten 96 und 97 müssen Sie angeben, ob es sich um eine Neugründung oder eine Übernahme, Verlegung oder Verschmelzung handelt. Die Punkte 98 bis 104 sind nur relevant, wen es sich NICHT um eine Neugründung handelt.

Haben Sie in den letzten fünf Jahren bereits schon mal ein Gewerbe, eine selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit ausgeübt, müssen Sie dazu in den Punkten 105 bis 109 entsprechende Angaben machen.

Abschnitt 3: Angaben zur Festsetzung der Vorauszahlung

Damit das Finanzamt eventuelle Vorauszahlungen zu Einkommenssteuer und Gewerbesteuer machen kann, müssen Sie in den Punkten 110 bis 118 eine Schätzung Ihrer voraussichtlichen Einkünfte für das Jahr der Betriebseröffnung sowie das Folgejahr machen.

Gibt es neben den erhofften Einnahmen aus der gewerblichen Tätigkeit, die in Punkt 111 bzw. 112 eingetragen werden, noch Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, werden diese unter Punkt 113 erfasst. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Gründung nebenberuflich erfolgt.

Abschnitt 4: Angaben zur Gewinnermittlung

In den Punkten 119 bis 122 müssen Sie die Art und Weise angeben, mit der Sie zukünftig Ihre Gewinne ermitteln wollen.  Das wird bei den meisten Gründern entweder die Einnahme-Überschuss-Rechnung oder die Bilanzierung sein.

Außerdem geben Sie hier in Punkt 123 an, ob Ihr Wirtschaftsjahr vom Kalenderjahr abweicht.

Abschnitt 5: Freistellungsbescheinigung nach §48b EStG

In Punkt 124 können Sie als Selbstständiger im Baugewerbe die Erteilung einer Bescheinigung zur Freistellung vom Steuerabzug bei Bauleistungen nach §48b Einkommenssteuergesetzt beantragen.

Abschnitt 6: Anmeldung zur Anmeldung und Abführung von Lohnsteuer

Viele Unternehmensgründer starten meist ohne Angestellten, daher muss dieser Abschnitt meist nicht ausgefüllt werden.

Beschäftigen Sie allerdings bereits zu Beginn Ihrer Unternehmensgründung Angestellte, sind für Sie die Punkte 125 bis 131 relevant. Hier müssen Sie Angaben zur Zahl Ihrer Arbeitnehmer (Punkt 125), dem Beginn der Lohnzahlungen (Punkt 126), dem geplanten Anmeldungszeitraum (Punkt 127: monatlich/vierteljährlich/jährlich) sowie den Betrieb, bei dem die für die Lohnabrechnung maßgebenden Bestandteile zusammenfasst werden (Punkt 128 bis 131), machen.

Abschnitt 7: Anmeldung und Abführung von Umsatzsteuer

Jeder umsatzsteuerpflichtige Unternehmer muss bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldezeitraumes seine Umsatzsteuer-Voranmeldung auf elektronischem Wege abgeben.

Im Punkt 132 müssen Sie für das Jahr Ihrer Betriebseröffnung sowie das erste Folgejahr eine Umsatzsteuerschätzung abgeben. Eine sehr wichtige Angabe zur Beurteilung, ob für Sie die Besteuerungsgrundsätze für Kleinunternehmer oder die allgemeinen Besteuerungsgrundsätze anzuwenden sind.

Handelt es sich bei Ihrem Unternehmen um eine Geschäftsveräußerung, tragen Sie das unter Punkt 133 ein. Hier gelten dann andere Regeln für die Umsatzsteuern.

Ein ganz wichtiger Aspekt im Rahmen einer Unternehmensgründung ist die sogenannte Kleinunternehmerregelung. Denn beträgt ihr hochgerechneter Jahresumsatz (die Umsätze haben Sie unter Punkt 132 geschätzt) weniger als 17.500 Euro, können Sie sich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Was das genau für Sie bedeutet und wo die Vor- und Nachteile im Rahmen der  Kleinunternehmerregelung liegen, erfahren Sie hier. In den Punkten 134 und 135 machen Sie Angaben, ob Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen wollen (Punkt 134) oder freiwillig darauf verzichten wollen (Punkt 135).

Als Gründer dürften Sie die Punkte 136 bis 145 eher nicht betreffen, denn hier müssen nur Angaben gemacht werden, wenn Sie Organträger einer Organschaft sind.

In der Regel unterliegen Umsätze einer Umsatzsteuer von 19 Prozent. Wenn Sie steuerfreie Umsätze erzielen werden, geben Sie das in Punkt 146 an,  Umsätze zum ermäßigten Steuersatz unter Punkt 147. Werden Umsätze erzielt, die einer Durchschnittsbesteuerung unterliegen, müssen Sie das unter Punkt 148 vermerken.

Ob Sie Ihre Umsatzsteuer nach der Soll- oder Istversteuerung berechnen, legen Sie in den Punkten 149 bis 153 fest. Dort sind auch die entsprechenden Kriterien festgelegt, nach denen die Istversteuerung erfolgen soll.

Falls Sie ein Umsatzsteuer-Identifikationsnummer benötigen, können Sie diese unter Punkt 154 beantragen bzw. eine bereits vorhandene USt.Id in den Punkten 155 und 156 erfassen.

Die Punkte 157 bis 159 betreffen Sie nur, wenn SieBau- oder Gebäudereinigungsleistungen erbringen wollen. In der Regel müssen Sie hier also keine Angaben machen.

Auch Punkt 160 wird selten zutreffen, er betrifft nur die Ausführung von Telekommunikationsleistungen, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen oder auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistungen durch ein in einem anderen EU-Land ansässiges Unternehmen an einem im Inland ansässigen Nichtunternehmer.

Abschnitt 8: Beteiligung an einer Personengesellschaft/-gemeinschaft

Die Punkte 161 bis 166 müssen Sie nur dann ausfüllen, wenn Sie sich an einer Personengesellschaft/-gemeinschaft beteiligen, z.B. wenn Sie mit mehreren Selbstständigen eine GbR gründen. Dann müssen hier Angaben zur Gesellschaft, Adresse und dem zuständigen Finanzamt gemacht werden. Außerdem muss eine Kopie des Gesellschaftsvertrages beigefügt werden.

In Zeile 167 müssen Sie jetzt nur noch Ort und Datum eingeben den Fragebogen unterschreiben.

Wie Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben können

  • Elster
  • Post

Wann müssen Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben?

Um alle Pflichtangaben an die Rechnungsstellung zu erfüllen, müssen Sie auf Ausgangsrechnungen auch Ihre Steuernummer angeben. Die Sie aber vom Finanzamt erst dann mitgeteilt bekommen, nachdem Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt zurückgeschickt haben. Da es meist einige Wochen nach Unternehmensgründung dauern kann, bevor Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung  vom Finanzamt zugeschickt bekommen, ist das bereits ein Grund, warum Sie den Fragebogen schnellstmöglich ausfüllen und zurückzusenden sollten. Andernfalls können Sie keine Rechnungen stellen.

Grundsätzlich sollten sie den Fragebogen innerhalb weniger Tage nach Zusendung durch das Finanzamt ausfüllen und zurückschicken.

Beitragsbild: Pixabay

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