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Was ist ein Kleinunternehmer – Die wichtigsten Fakten im Überblick

by UInfo
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Alleine im Jahr 2018 wurden in Deutschland 169.100 Kleinunternehmen gegründet.  Das entspricht einem Anteil von 31 Prozent an den insgesamt 2018 gegründeten 542.500 Unternehmen*. Also immerhin fast ein Drittel aller Gründer startet als Kleinunternehmer. Grund genug, an dieser Stelle genau zu erläutern, was ein Kleinunternehmer eigentlich ist und was bei der Kleinunternehmerregelung zu beachten ist.

Was ist ein Kleinunternehmer?

Der Begriff Kleinunternehmer leitet sich aus dem Umsatzsteuerrecht ab. Entsprechend §19 Umsatzsteuergesetz (UStG) ist ein Unternehmer, dessen Umsatz im letzten Geschäftsjahr brutto unter der Grenze von 17.500 Euro lag und dessen Umsatz im laufenden Jahr voraussichtlich einen Betrag vom brutto 50.000 Euro nicht überschreiten wird, ein Kleinunternehmer.

Wichtig: Damit das Finanzamt eine Einstufung als Kleinunternehmer akzeptiert, müssen beide Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein. Bei einer Unternehmensgründung gibt es natürlich noch keine Umsätze aus dem Vorjahr. Deshalb darf bei Beantragung der Kleinunternehmerregelung der auf das gesamte Gründungsjahr hochgerechnete Umsatz nicht über 17.500 Euro liegen.

Bei einer unterjährigen Unternehmensgründung muss der Jahresumsatz entsprechend der Monate, die man im Jahr ab Gründung noch tätig ist, angepasst werden. Wer also erst im Juli startet, ist nur noch 6 Monate im Jahr tätig. Dementsprechend darf er auch nur noch 17.500 / 2 = 8.750 Euro Umsatz machen, wenn er die Kleinunternehmerregelung anwenden möchte.

Was muss ein Kleinunternehmer beachten?

Wer entsprechend der obigen Definition Kleinunternehmer ist, der kann die Kleinunternehmerregelung für sich in Anspruch nehmen und muss auf seinen Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen. Dementsprechend muss er auch keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Allerdings ist der Kleinunternehmer damit auch nicht vorsteuerabzugsberechtigt.

Wird die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen, muss der Kleinunternehmer auf seinen Ausgangsrechnungen auf die Anwendung hinweisen. Das kann z.B. durch folgenden Passus am Ende der Rechnung erfolgen:

  • „Hinweis: Als Kleinunternehmer im Sinne von § 19 Abs. 1 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“ oder
  • „Gemäß § 19 Abs. 1 UStG berechnen wir keine Umsatzsteuer.“

Trotz Kleinunternehmerregelung gelten ansonsten natürlich auch für den Kleinunternehmer die Vorschriften des in §14 Umsatzsteuergesetz geregelten Pflichtbestandteile bei der Ausstellung von Rechnungen.

Wie wird man Kleinunternehmer?

Beantragung direkt bei der Unternehmensgründung

Den Status eines Kleinunternehmer kann man bereits bei der Unternehmensgründung beim Finanzamt beantragen. Das macht man im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung„, den man direkt nach der Unternehmensgründung ausfüllen und an das zuständige Finanzamt senden muss.

Um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, müssen Sie im Bogen unter Punkt 7.3 die Kleinunternehmerregelung beantragen.

Auf dem steuerlichen Erfassungsbogen beantragen Sie die Kleinunternehmerregelung (Bild: Formulare-bfinv.de)

Späterer Wechsel zur Kleinunternehmerregelung

Wer sich nicht gleich für die Kleinunternehmerregelung entscheidet, kann auch später wechseln. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn prognostizierte Umsatzziele nicht erreicht werden und deshalb der Jahresumsatz unter der Grenze von 17.500 Euro liegt.

Aber ACHTUNG: Wer bei der Unternehmensgründung freiwillig auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichtet, ist für mindestens fünf Jahre an diese Entscheidung gebunden. Ein Wechsel zur Kleinunternehmerregelung ist dann erst im sechsten Jahr nach der Gründung möglich, selbst wenn die Jahresumsätze regelmäßig unter dem Grenzbetrag nach § 19 UStG liegen.

Deshalb sollte man vor einem eventuellen Verzicht genau überlegen, wie hoch die jährlichen Umsätze in den ersten Jahren nach der Gründung liegen werden bzw. wie groß auch der anfängliche Investitionsbedarf ist. Denn wer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, kann sich die gezahlte Vorsteuer aus Eingangsrechnungen nicht wiederholen. Ebenfalls ein wichtiger Fakt, den es zu berücksichtigen gilt!

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*Quelle: Statista

Beitragsbild: Pixabay

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