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Unterschied zwischen Soll- und Istversteuerung: Das sollten Unternehmer wissen

by UInfo
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Mit einigen Ausnahmen, z.B. bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung oder zu geringen Umsätzen, müssen die meisten Unternehmen in Deutschland monatlich oder quartalsweise eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. In dieser wird die von Ihren Kunden auf Waren oder Dienstleistungen gezahlte Umsatzsteuer an das Finanzamt gemeldet und später abgeführt, unter Verrechnung bereits gezahlter Vorsteuer auf bezogene Waren und Dienstleistungen.

Je nachdem, wann die Umsatzsteuerpflicht entsteht, unterscheidet man bei der Versteuerungsart in die Soll- und Istversteuerung. Die Versteuerungsart kann u.a. große Auswirkungen auf die Liquidität haben. Allerdings besteht die Wahlmöglichkeit nicht für alle Unternehmen. Im Folgenden erklären wir Ihnen, wo genau die Unterschiede von Soll- und Istversteuerung liegen, welche Unternehmen wählen können und wie ein Wechsel der Versteuerungsart erfolgt.

Was ist die Sollversteuerung?

Bei der Sollversteuerung handelt es sich um eine sogenannte „Besteuerung nach vereinbarten Entgelten“. Konkret bedeutet das, dass in der Umsatzsteuervoranmeldung alle Rechnungen der jeweiligen Abrechnungsperiode berücksichtigt werden, die an Kunden gestellt wurden bzw. die man für bezogene Waren oder Dienstleistungen erhalten hat. Bei der Sollversteuerung wird die Umsatzsteuer also bereits mit der Rechnungsstellung fällig. Das kann bedeuten, dass Umsatzsteuer für Rechnungen abzuführen ist, für die noch kein Geldeingang verzeichnet wurde. Relevant ist das Rechnungsdatum.

Was ist die Istversteuerung?

Anders als die Sollversteuerung wird bei der Istversteuerung nach „vereinnahmten Entgelten“ besteuert. Das bedeutet, dass die Umsatzsteuer erst dann in der Umsatzsteuervoranmeldung zu erfassen ist, wenn der Geldeingang für eine gestellte Rechnung auch tatsächlich erfolgt ist. „Vereinnahmt“ also deshalb, da beim Unternehmer durch die bezahlte Rechnung auch tatsächlich das Geld eingegangen ist.

Entgelte gelten beispielsweise als vereinnahmt:

  • wenn bei einer Überweisung die Gutschrift auf dem Girokonto erfolgt,
  • beim Zeitpunkt der Zahlung bei Barzahlung,
  • zum Zeitpunkt der Einlösung eines Wechsels oder
  • zum Zeitpunkt der Übergabe bei einem Scheck.

Was ist besser: Soll- oder Istversteuerung?

Mit Blick auf die Liquidität im Unternehmen ist die Istverteuerung wesentlich besser als die Sollversteuerung. Denn bei der Sollversteuerung muss auch dann Umsatzsteuer auf gestellte Rechnungen abgeführt werden, wenn diese noch gar nicht bezahlt wurden. Handelt es sich z.B. um große Beträge und verzögert sich die Bezahlung um mehrere Monate, kann die vorab an das Finanzamt zu zahlende Umsatzsteuer u.U. sogar zu Liquiditätsengpässen führen.

Ebenfalls von Vorteil ist die Istversteuerung im Falle von Zahlungsausfällen. Denn während bei der Sollversteuerung dann aufwendig über die Umsatzsteuervoranmeldung die bereits gezahlte Umsatzsteuer zurückgeholt werden muss, entfällt dieser Aufwand bei der Istversteuerung.

Und nicht zuletzt ist auch die Durchführung der Umsatzsteuervoranmeldung selbst einfacher, da diese einfach nach dem Prinzip des Geldzuflusses durchgeführt wird. Was auch die Durchführung der Buchführung vereinfacht.

Da die Vorteile der Istversteuerung offenbar überwiegen, stellt sich die Frage, warum überhaupt jemand die Sollversteuerung macht. Aber nicht jeder Unternehmer bzw. jedes Unternehmen ist berechtigt, die Istversteuerung zu beantragen.

Wer kann die Istversteuerung beantragen (und wo)?

Grundsätzlich gilt für alle Unternehmen, Kleinunternehmer oder Existenzgründer erst einmal die Sollbesteuerung. Ein Wechsel auf die Istbesteuerung ist möglich für:

  • Freiberufler unabhängig von Umsatz und Gewinn (§18 Abs. 1 EStG),
  • Unternehmen, die nicht zur Buchführung verpflichtet sind oder
  • Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 500.000 Euro.

Unternehmensgründer, die zur Istversteuerung berechtigt sind, können diese sofort bei der Unternehmensgründung im Fragenkatalog des Finanzamtes beantragen. Aber auch später kann, wer dazu berechtigt ist, jederzeit einen Antrag auf Istversteuerung beim Finanzamt stellen. Der Antrag kann formlos erfolgen, Fristen müssen nicht eingehalten werden.

Fazit: Soll- oder Istversteuerung?

Grundsätzlich ist die Istbesteuerung, so man die Wahl hat, der Sollversteuerung vorzuziehen. Dann muss Umsatzsteuer nur abgeführt werden, wenn Rechnungen (und damit auch die den Umsatz entfallende Umsatzsteuer) tatsächlich bezahlt wurden. Besonders Existenzgründer könnten sonst schnell in Liquiditätsschwierigkeiten kommen, vor allem dann, wenn Rechnungen lange oder gar nicht bezahlt werden. Zudem vereinfacht die Istversteuerung die Umsatzsteuervoranmeldung, da diese nach dem Prinzip des Geldzuflusses durchgeführt wird.

Existenzgründer mit der Wahlmöglichkeit sollten bereits der der Gründung im Fragebogen des Finanzamtes die Istversteuerung beantragen.

Alle wichtigen Infos zur Umsatzsteuervoranmeldung haben wir für Sie hier zusammengestellt.

 

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