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Peakon: Mit SaaS und lernenden Algorithmen herausfinden, was im Team läuft

by UInfo
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Effektivere Mitarbeiterbefragungen durchführen: Das ist das erklärte Ziel, das Peakon mit seiner Software und den dahinter liegenden selbst lernenden Algorithmen erreichen will. Dan Rogers hat uns im Interview verraten, welche Faktoren dabei die größte Rolle spielen, wie man 68 Mio. Euro von Investoren einsammelt, welche Marketingkanäle das Unternehmen nutzt und was die nächsten großen Meilensteine sind.

Stichwort…

…Geschäftsidee in max. fünf Sätzen: Welche Idee steht hinter Peakon?

Wir wollen die Methode Mitarbeiterbefragungen effektiver gestalten und haben dafür ein Mitarbeiterbefragungstool entwickelt. Als Software-as-a-Service, die im Hintergrund mit lernenden Algorithmen arbeitet, messen wir in kontinuierlichen und kurzen Abständen die Zufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter.

Peakon Team

Mitarbeiterbefragungen effektiver machen will das Team von Peakon mit seiner Software (Bild: Peakon.com)

…Team: Welche Köpfe stecken hinter Peakon?

Hinter Peakon stehen neben mir Kasper Hulthin, Phil Chambers und Christian Holm. Kasper, Phil und Christian haben vorher das Projektmanagement-Tool Podio aufgebaut und 2012 an Citrix verkauft. Danach mussten sie aber mit ansehen, wie sich das Kernteam nach und nach verabschiedete. Der Unterschied zwischen Start-up-Kultur und Konzern-Kultur war einfach zu groß. Und auch mir erging es ähnlich. Ich habe früher bei JP Morgan in London gearbeitet und fand meinen Arbeitsplatz alles andere als erfüllend. Also haben wir ein Tool entwickelt, mit dem sich – viel öfter als einmal im Jahr – die Stimmung im Team messen lässt. Damit können Unternehmen besser am Puls ihrer Mitarbeiter bleiben und wissen sofort, wenn etwas nicht ganz rund läuft.

Dan Rogers vo Peakon stand uns Rede und Antwort (Bild: Peakon.com)

…USP: Wie hebt sich Peakon von der Konkurrenz ab? Und was sind die Hauptkonkurrenten?

Unsere Engagement-Plattform kann zunächst nur mit einer klaren standardisierten Methodologie valide Ergebnisse liefern. Basierend auf organisationspsychologischer Forschung haben wir 14 Faktoren identifiziert, womit wir das Engagement der Mitarbeiter messen und analysieren, darunter Autonomie, Management-Support oder Wertschätzung.

Unsere lernenden Algorithmen ermitteln dann, welche Faktoren den größten Einfluss auf das Engagement haben. Das dient dazu, Informationen über die Stärken und Prioritäten des Unternehmens als Ganzes und einzelner Teams, Standorte oder Führungskräfte im Speziellen bereitzustellen. Beispielsweise wird einem Vertriebsleiter in seinem Dashboard bei Prioritäten angezeigt, dass er das Engagement seines Teams am einfachsten und schnellsten verbessern kann, wenn er seinem Team mehr Wertschätzung entgegenbringt. Auf dieser Grundlage kann er dann an sich und seinem Führungsstil arbeiten und Aktionen umsetzen und diese wiederum in Echtzeit messen und ggf. justieren und insgesamt mehr am Puls seines Teams sein.

Unsere Wettbewerber sind Culture Amp, Glint, Office Vibe und Qualtrics.

…Zielgruppe: Wer sind die Kunden von Peakon und wie (Marketingkanäle) sollen diese erreicht werden?

Wir wollen mit unserer Plattform Führungskräfte und Personalabteilungen ansprechen, die in ihrer Organisation etwas verändern möchten und den Prozess für Mitarbeiterbefragungen einerseits vereinfachen und andererseits effektiver gestalten wollen.

Im Bezug auf unsere Marketingkanäle setzen wir stark auf SEM, aber natürlich auch Messen und Konferenzen, sowie “Word of Mouth”, d.h. wir sind stark daran interessiert, dass unsere Kunden uns wirklich als Partner sehen und den Mehrwert von Peakon für ihr Unternehmen erkennen und dadurch zu Botschaftern für unseren Ansatz werden.

…Geschäftsmodell: Was sind die Haupt-Einnahmequellen?

Unser Geschäftsmodell basiert auf Jahreslizenzen, die unsere Kunden für die Nutzung von Peakon erwerben. Die Preise richten sich einerseits nach dem Paket, sprich welche Funktionen man nutzen möchte und der Größe des Unternehmens durch die Anzahl der Mitarbeiter, die mit Peakon befragt werden.

…Break-Even: Wann soll die Gewinnschwelle erreicht werden?

Wir haben das Glück, in einem rasant wachsenden Markt tätig zu sein. Also investieren wir weiterhin sehr stark in unsere Software, Infrastruktur und unser Personal, um noch innovativer und breiter aufgestellt zu sein. Solange wir also Potenziale sehen, in die wir rein investieren können, werden wir – wie viele schnell wachsende Unternehmen – wahrscheinlich nicht die Gewinnschwelle erreichen.

…Finanzierung: Wie ist Peakon bislang finanziert?

Seit der Gründung in Kopenhagen Ende 2014 haben wir 68 Millionen Dollar in vier großen Finanzierungsrunden eingesammelt.

Heute beschäftigen wir über 200 Mitarbeiter in Büros in London, New York, Kopenhagen, Berlin und Auckland. Mittlerweile betreuen wir mehr als 800 internationale Kunden, darunter Delivery Hero, Capgemini und easyJet. Hierzulande nutzen 70 Firmen aus unterschiedlichen Branchen unser Tool, zum Beispiel Konzerne wie Metro oder BMW, aber auch junge, schnell wachsende Unternehmen wie adjust, GetYourGuide, Babbel und unu.

…Investoren: Gut oder schlecht fürs Geschäft?

Als wir unser erstes Funding abgeschlossen haben, hatten wir nicht mehr als eine Vision und ein paar Slides, waren aber dann in der Lage ein erstes Minimum Viable Product (MVP) zu bauen, d.h. ein erstes Produkt mit minimalen Funktionen. Danach konnten wir relativ schnell in Private Beta gehen, d.h. mit Hilfe von ersten wenigen Kunden das Produkt so weiterentwickeln, dass es nicht mehr nur Investoren, sondern auch Unternehmen überzeugt.

In unserem Falle waren die Investoren also definitiv gut fürs Geschäft bzw. überhaupt erst die Voraussetzung für eine Geschäft, weil wir dadurch in der Lage waren, nicht nur (schnell) ein erstklassiges Produkt zu entwickeln, sondern auch kontinuierlich ein Team aufzubauen, das mittlerweile auf der ganzen Welt tätig ist.

…Erfolg: Was waren bislang die größten Erfolge, die ihr mit Peakon erreicht habt?

Eine Succes Story – oder besser Partnerschaft – auf die wir besonders stolz sind, weil sie seit Bestehen von Peakon gepflegt wird, ist unsere Zusammenarbeit mit Delivery Hero, das weltweit mittlerweile mehr als 6.000 Menschen beschäftigt. Unsere beiden Geschichten sind sehr eng miteinander verzahnt, denn Delivery Hero war unser erster Kunde und führte unser Tool während seiner ersten großen Wachstumsphase ein. Sie haben damals zwei große Finanzierungsrunden abgeschlossen und sind in neue internationale Märkte eingestiegen. Peakon wurde ein wichtiger Bestandteil des Change-Management-Prozesses und half auf der Makroebene dabei, die Kommunikation zwischen den Standorten zu verbessern und die unterschiedlichen Kulturen zu “entschlüsseln” und in Einklang zu bringen, während es auf der Mikroebene zu einer wichtigen Entscheidungshilfe für die Führungskräfte und HR Business Partner vor Ort wurde.

…Zukunft: Was sind die nächsten wichtigen Meilensteine?

Seit dem vergangenen Jahr sind wir mit einem Büro in Nordamerika präsent. Von New York aus versuchen wir auch mit Mitarbeitern, die remote im Mittleren Westen und an der Westküste arbeiten, in diesem Markt Fuß zu fassen, was als europäisches Unternehmen in einem sehr kompetitiven Markt eine große Herausforderung darstellt.

…Learnings: Diese Fehler sollte man als Unternehmer von Anfang an vermeiden

Geld von VCs einzusammeln ist ein Spiel, aber du musst die Regeln kennen. Und lerne dich zu behaupten!

Als ich zum ersten Mal bei Venture Capitalists (VCs) war, um Geld einzusammeln, wusste ich nicht, wie ich mich in einem guten Licht präsentieren sollte. Ich war überrascht, wie sehr das Ganze mit einem Spiel vergleichbar war und wie sehr ich die Regeln lernen musste. Du musst ganz genau wissen, wie VCs über Startups denken und wonach sie suchen. Ich habe wirklich gelernt, auf unsere Vision noch einen drauf zu setzen und mein Bestes zu geben, um alles klar und deutlich darzustellen. Denn diesen Aspekten schenkt der VC am Ende am meisten Glauben – die Vision und die daran beteiligten Personen.

Wir haben mehrere Finanzierungsrunden erhalten. Dabei habe ich gelernt, dass VCs immer versuchen werden, ein besseres Angebot herauszuschlagen. Sie lassen dich gerne ein bisschen schwitzen, weil sie wissen, dass deinem Unternehmen mit den aktuellen finanziellen Mitteln nur noch drei bis sechs Monate bleiben. Also musst du dich behaupten. Wenn du es schaffst, konkurrierende Angebote zu bekommen, bist du in einer besseren Verhandlungsposition. Genau wie du haben VCs Angst davor, dass der Deal platzt.

…Tipps: Ich bin gerne Unternehmer, weil…

… ich es mag , wenn Dinge wachsen. Es ist erfreulich, wenn sich unsere Mitarbeiter weiterentwickeln, unsere Kunden mit Peakon erfolgreicher sind und unser Unternehmen wächst. Es wird auch nie langweilig! Denn es gibt immer wieder neue Herausforderungen.

Steckbrief: Peakon auf einen Blick

NamePeakon
Gründungsdatum19. Dezember 2014
GründerteamKasper Hulthin, Phil Chambers, Christian Holm und Dan Rogers
Anzahl Mitarbeiter200
SitzWir haben Büros an fünf Standorten auf drei Kontinenten: London, Kopenhagen, Berlin, New York und Auckland.
RechtsformAnpartsselskab (ApS), also eine dänische Rechtsform, die in etwa vergleichbar mit der deutschen GmbH ist.
InvestorenAtomico, Balderton, EQT Ventures, Idinvest Partners, Heartcore Capital (a.k.a. Sunstone Capital)
Kontaktmailmail.de@peakon.com
Websitehttps://peakon.com/de/
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GeschäftsmodellSoftware-as-a-Service
ZielgruppePersonalabteilungen und Entscheider

 

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