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Nebenberuflich selbstständig: Was Sie unbedingt beachten müssen

by UInfo
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Das eigene Unternehmen gründen: Der große Traum, den sich viele im Laufe ihres Berufslebens erfüllen möchten. Ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit, die Umsetzung der eigenen Geschäftsidee und finanzielle Freiheit sind meist die Beweggründe. Die Realität sieht häufig anders aus. Lange Arbeitstage, ein zu Beginn niedriges und unsicheres Einkommen und viel Bürokratie rund um die Gründung. Der ersten Euphorie folgt schnell die Ernüchterung. 

Deshalb gilt: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“. Übertragen auf die Selbstständigkeit bedeutet das, die eigene Geschäftsidee vielleicht erst einmal nebenberuflich zu starten und bei reduziertem Risiko den Erfolg der Geschäftsidee zu testen.

Worauf Sie unbedingt achten müssen, wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, lesen Sie hier.

Laut aktuellem KfW-Gründungsmonitor 2018 ist die Zahl der Existenzgründungen weiter im Fallen, nur 557.000 Menschen haben 2017 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und damit so wenige wie noch nie (-17% gegenüber 2016).  Während die Zahl der Vollerwerbsgründungen um 6% auf 234.000 Personen zurückging, sackte die Zahl der Nebenerwerbsgründung um 24% auf nur noch 323.000 ein. Nicht zuletzt ist daran der weiter boomende Arbeitsmarkt schuld. Positiv an den Zahlen, neben dem intakten Arbeitsmarkt, ist die strukturelle Qualität der Gründungen, die sich weiter verbessert.

Trotz des kräftigen Rückganges bleibt damit auch im Berichtsjahr 2017 der Trend intakt: Deutschlands Gründer wagen lieber nebenberuflich den Schritt in die Selbstständigkeit. Und auch die weiter gestiegene Qualität der Gründungen zeigt, dass Gründer lieber nebenberuflich gründen und so ihre Idee testen, anstatt direkt ins kalte Wasser zu springen. Aber wie bei der Vollzeitgründung, so müssen auch beim nebenberuflichen Start zahlreiche Aspekte von Anfang an beachtet werden, um spätere Probleme zu vermeiden. Die wichtigsten Punkte haben wir hier zusammengefasst.

Ab wann ist man nebenberuflich selbstständig?

Die Selbstständigkeit wird als nebenberuflich angesehen, wenn mit dem durch diese Tätigkeit erzielten Einkommen nicht in erster Linie der Lebensunterhalt bestritten wird, d.h. wenn es von untergeordneter Bedeutung gegenüber einem Haupteinkommen (z.B. Arbeitsentgelt, Sold etc.) ist. Weiterhin gilt als Richtwert für eine nebenberufliche Selbstständigkeit, dass eine wöchentliche Arbeitszeit von 18 – 20 Stunden nicht überschritten wird.

Bei Arbeitslosen, die nebenberuflich selbstständig sind, gelten folgende Grenzen:

  • Liegt die Wochenarbeitszeit über 15 Stunden, liegt keine Arbeitslosigkeit mehr vor.
  • Gewinne bis zu 165 Euro im Monat reduzieren nicht das Arbeitslosengeld.
  • Liegt der Gewinn zwischen 165 und 400 Euro im Monat, reduziert das entsprechend das Arbeitslosengeld.
  • Bei Gewinnen über 400 Euro im Monat tritt Sozialversicherungspflicht ein und damit endet die Arbeitslosigkeit.

Abweichende Regeln für eine nebenberufliche Selbstständigkeit gibt es außerdem noch für Studenten, Soldaten oder Beamte.

Studenten

Studenten unter 25 Jahren sind in der Krankenversicherung meist familienversichert. Der monatlich maximal mögliche Zuverdienst liegt seit 2018 bei 435 Euro, der zweimal im Jahr für maximal 2 Monate am Stück überschritten werden darf. Die wöchentliche maximale Arbeitszeit liegt bei 20 Stunden.

Bei Studenten, die sich selbst krankenversichern, kann das monatliche Einkommen die 435 Euro überschreiten, allerdings dürfen die 20 Wochenarbeitsstunden nicht überschritten werden. Liegt das Gehalt für die nebenberufliche Selbstständigkeit mehr als 75% über der Bezugsgrenze zur gesetzl. Rentenversicherung oder werden die wöchentlichen 18-20 Arbeitsstunden überschritten, muss voll in die Krankenversicherung eingezahlt werden. Der Student wird dann wie ein Vollzeitselbstständiger behandelt.

Beamte

Beamte befinden sich nicht in einem Arbeitsverhältnis, sondern in einem Dienstverhältnis, es besteht ein besonderes Treueverhältnis zu ihrem Dienstherr. Deshalb ergeben sich auch Besonderheiten bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit. Diese darf pro Woche 8 Stunden bzw. ein Fünftel der wöchentlichen Dienstzeit nicht überschreiten. Außerdem darf die nebenberufliche Selbstständigkeit nicht im Konflikt mit dem Beamtenverhältnis stehen. Gegebenenfalls ist eine Genehmigung beim Dienstherren einzuholen. Die nebenberufliche Selbstständigkeit ist dem Dienstherr anzuzeigen.

Nebenberuflich selbstständig: Wieviel darf man verdienen?

Grundsätzlich gibt es keine Verdienstobergrenze für die nebenberufliche Selbstständigkeit. Limitierungen ergeben sich allerdings bereits aus der Definition einer nebenberufliche Selbstständigkeit, das damit nicht in erster Linie der eigene Lebensunterhalt bestritten wird, d.h. das das Hauptberuf zur wirtschaftlichen Absicherung des eigenen Lebensstandards dient. Außerdem dürften auch die maximale wöchentliche Arbeitszeit von 18 – 20 Stunden den maximalen Verdiensts begrenzen.

Wird eine Genehmigung durch den Arbeitgeber benötigt?

In Deutschland hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer das Recht, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Trotzdem sollte der Arbeitgeber informiert werden, wenn eine nebenberufliche Selbstständigkeit aufgenommen werden muss. Außerdem darf die nebenberufliche Selbstständigkeit:

  • keine negativen Auswirkungen auf den Hauptberuf haben,
  • nicht in Konkurrenz zum ausgeübten Hauptberuf stehen,
  • nicht während des Urlaubs bzw. in Krankheitszeiten ausgeübt werden.

Die nebenberufliche Selbstständigkeit sollte also klar vom Hauptberuf getrennt werden und diesem keine Konkurrenz machen, da ansonsten der Arbeitgeber rechtlich gegen die nebenberufliche Selbstständigkeit vorgehen, diese Untersagen oder dem Arbeitnehmer kündigen kann.

Unabhängig vom Recht auf Ausübung einer nebenberuflichen Selbstständigkeit kann diese per Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden, was häufig bei Führungskräften der Fall ist.

Grundsätzlich empfiehlt es sich also immer, den Chef rechtzeitig über die Aufnahme einer nebenberuflichen Selbstständigkeit zu informieren.

Muss für die nebenberufliche Selbstständigkeit ein Gewerbe angemeldet werden?

Kein Gewerbe anmelden müssen freiberuflich Selbstständige nach §18 Einkommenssteuergesetz (z.B. Notare, Rechtsanwälte, Ärzte). Alle anderen Personen, die unternehmerisch tätig werden, müssen ein Gewerbe anmelden. Das gilt auch für eine nebenberufliche Selbstständigkeit! Die Gewerbeanmeldung muss unverzüglich nach Aufnahme der Tätigkeit erfolgen (Richtwert: 14 Tage).  Bei der Gewerbeanmeldung beim örtlichen Gewerbeamt ist auf dem Gewerbeschein zwingend Nebengewerbe auszuwählen.

Freiberufler müssen die Aufnahme der Tätigkeit dem Finanzamt melden.

Welche Steuern fallen bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit an?

Natürlich werden auch bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit Steuern fällig. Die wichtigsten Steuerarten sind:

  • die Umsatzsteuer,
  • die Einkommenssteuer und
  • die Gewerbesteuer.

Umsatzsteuer

Auf verkaufte Waren und Dienstleistungen muss eine Steuer auf den Umsatz in Höhe von 19% oder (ermäßigt) 7% entrichtet werden. Die Umsatzsteuer ist monatlich oder quartalsweise an das Finanzamt abzuführen, den Rhythmus legt das Finanzamt fest. Im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung wird bereits entrichtete Vorsteuer auf eingekaufte Waren und Dienstleistungen mit eingenommener Umsatzsteuer auf verkaufte Waren und Dienstleistungen verrechnet. Im Ergebnis wird die Umsatzsteuerschuld errechnet und muss abgeführt werden.

Liegt der Jahresumsatz voraussichtlich unter 17.500 Euro, was bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit vermutlich der Fall ist, kann die Kleinunternehmerregelung angewendet werden. Dann muss keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden, die Umsatzsteuervoranmeldung entfällt. Auf den Rechnungen darf dann keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden, die Beträge sind immer brutto. Gleichzeitig ist kein Vorsteuerabzug möglich.

Einkommenssteuer

Einkommenssteuer wird auf den zu versteuernden Gewinn aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit fällig, der sich aus den Einnahmen und Ausgaben errechnet. Der Gewinn unterliegt dem persönlichen Einkommenssteuersatz und muss im Rahmen der Jahressteuererklärung angegeben werden. Meist wird der Gewinn über eine Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermittelt. In der Steuererklärung ist diese Anlage EÜR seit 2017 verpflichtend zu erstellen, wenn der Jahresgewinn aus der selbstständigen Tätigkeit über einen Einnahme-Überschuss-Rechnung bestimmt wird. Gewerbetreibende müssen außerdem die Anlage G ausfüllen, Freiberufler die Anlage S.

Gewerbesteuer

Handelt es sich bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit nicht um eine freiberufliche Selbstständigkeit, ist der Gewerbetreibende gewerbesteuerpflichtig. Freiberufler sind dagegen von der Gewerbesteuer befreit.

Sozialversicherungspflicht bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit

Sozialabgaben müssen für den Arbeitsmittelpunkt entrichtet. Werden die Richtwerte für eine nebenberufliche Selbstständigkeit eingehalten (Arbeitszeit weniger als 18-20 Stunden, Einkommen aus der Nebentätigkeit übersteigt nicht das Haupteinkommen), dann ist diese frei von Sozialabgaben.

Werden die Grenzen allerdings überschritten, kann auch in der nebenberuflichen Selbstständigkeit Krankenversicherungspflicht entstehen. Und trifft das Kriterium der Scheinselbstständigkeit zu, dann besteht Rentenversicherungspflicht.

Nebenberuflich selbstständig: Vorsicht vor Scheinselbstständigkeit!

Häufig beginnt die nebenberufliche Selbstständigkeit mit der Tätigkeit für einen Arbeitnehmer. Da aufgrund der begrenzten Zeit neben dem Hauptberuf kaum Raum für die Kundenakquise ist, bleibt, bleibt es dann meist auch dabei. Damit entsteht schnell die Gefahr, das es sich aus rechtlicher Sicht um keine „echte“ Selbstständigkeit, sondern eine Scheinselbstständigkeit handelt. Mögliche Merkmale einer Scheinselbstständigkeit können sein:

  • Tätigkeit überwiegend für einen Kunden (5/6 des Gesamtumsatzes)
  • Keine unternehmerische Entscheidungsfreiheit aufgrund  uneingeschränkter Weisungsbefugnis des Auftraggebers
  • Fester Tätigkeitsort und feste Arbeitszeiten
  • Einbindung in die Arbeitsabläufe und die Organisationsstruktur des Arbeitgebers (fester Arbeitsplatz, Firmen-Email, Telefonanschluss, Urlaubsregelung)
  • Regelmäßige Berichtspflicht an den Auftraggeber
  • Keine regelmäßig Beschäftigten

Sind mehrere Kriterien erfüllt, besteht die Gefahr einer Scheinselbstständigkeit. Wer verlässlich wissen möchte, ob bei ihm eine Scheinselbstständigkeit vorliegt, der sollte eine Statusklärung bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund beantragen. Der Antrag auf verbindliche Klärung kann innerhalb von einem Monat nach Aufnahme der Tätigkeit gestellt werden.

Fazit

Mit begrenztem Risiko den ersten Schritt als Unternehmer machen möchte, dafür ist die nebenberufliche Selbstständigkeit eine sehr interessante Alternative. Die Tätigkeit sollte aber vorab mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden, um hier von Anfang an Interessenskonflikte zu vermeiden. Außerdem sollte sich jeder der Doppelbelastung aus Selbstständigkeit und Hauptjob bewusst sein. Und auch hinsichtlich Abgrenzung zum Hauptjob, bei der Sozialversicherungspflicht und den Steuern ist einiges zu beachten.

Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, dem bietet sich eine gute Möglichkeit, die eigene Geschäftsidee zu testen und das eigene Business mit Sicherheitsnetz aufzubauen.