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Kurz & Kompakt: Wie Sie ein Kleinunternehmen anmelden

by UInfo
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Die meisten erfolgreichen Unternehmer haben irgendwann klein angefangen, manchmal in der eigenen Garage, manchmal im Keller der elterlichen Wohnung. Und nicht jeder hat gleich am Anfang sechs- oder siebenstellige Umsätze erzielt. An diese Unternehmer richtet sich die sogenannte Kleinunternehmerregelung, mit der der Gesetzgeber durch Vereinfachungsregelungen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern will. 

In diesem Beitrag erfahren Sie, wann es sich um ein Kleinunternehmer handelt, wie und wo Sie ein Kleinunternehmen Anmeldungen und welche Anforderungen auf Sie zukommen.

Definition: Wann ist man Kleinunternehmer?

Als Kleinunternehmer nach §19 Umsatzsteuergesetz (UStG) gilt in Deutschland, bei dem der Jahresumsatz:

  • im zurückliegenden Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat

und

  • im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.

Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein, sonst ist die Kleinunternehmerregelung nicht anwendbar.

Sonderregelung bei unterjähriger Gründung

Erfolgt die Unternehmensgründung unterjährig, muss der Jahresumsatz entsprechend der Monate, die sie im Gründungsjahr tätig sind, angepasst werden. Starten Sie also mit Ihrem Geschäft erst im Juli, dann sind sie 6 Monate im ersten Geschäftsjahr selbstständig tätig. Damit beträgt für dieses erste Jahr die Grenze zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung:

17.500 Euro / 12 Monate * 6 Monate = 8.750 Euro.

Liegt also ihr Jahresumsatz in diesem zweiten Halbjahr über 8.750 Euro, können Sie die Kleinunternehmerregelung nicht anwenden.

Sonderregelung bei mehreren umsatzsteuerpflichtigen Tätigkeiten

Übt jemand mehrere selbstständige Tätigkeiten parallel aus, dann gilt die Kleinunternehmerregelung NICHT für jede Tätigkeit einzeln. Das bedeutet, dass bei Selbstständigen, die beispielsweise mehrere Gewerbe angemeldet haben, die Umsätze aus allen Tätigkeiten summiert werden und dann auf diese die Anwendung der Kleinunternehmerregelung erfolgt.

Die Kleinunternehmerregelung ist somit an die einzelne Person gebunden und nicht an die einzelnen Gewerbe, die diese Person betreibt!

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Was bedeuten jetzt konkret die Umsatzgrenzen aus §19 UStG, die wir im vorherigen Punkt beschrieben haben?

Fallen Sie unter die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung, dann können Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt eine Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen. Konkret bedeutet dass:

  • Sie müssen auf eigenen Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen, alle Beträge sind netto.
  • Sie sind von der Erstellung der monatlichen bzw. vierteljährlichen Umsatzsteuer-Voranmeldung befreit.
  • Sie sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt.
  • Auf Ausgangsrechnungen müssen sie auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung hinweisen.

Wie wird die Kleinunternehmerregelung beantragt?

Beantragung bei der Unternehmensgründung

Den Status als Kleinunternehmer und damit die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen Sie bereits bei der Unternehmensgründung im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Diesen erhalten Sie nach der Gewerbeanmeldung von Ihrem zuständigen Finanzamt und müssen ihn ausgefüllt an dieses zurücksenden.

Wollen Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, müssen Sie das auf dem Fragebogen bei der Schätzung Ihrer zukünftigen Umsätze (Punkt 7.1 im Bogen) bereits berücksichtigen.

Achten Sie bei der Schätzung Ihrer Umsätze auf eine evtl. Anwendung der Kleinunternehmerregelung (Bild: www.formulare-bfinv.de)

Denn tragen Sie hier beispielsweise Umsätze über den geltenden Grenzen ein, können Sie schwerlich danach unter Punkt 7.3 die Kleinunternehmerregelung beantragen.

Auf dem steuerlichen Erfassungsbogen beantragen Sie die Kleinunternehmerregelung (Bild: Formulare-bfinv.de)

Späterer Wechsel auf Kleinunternehmerregelung

Ein späterer Wechsel zur Kleinunternehmerregelung, beispielsweise weil Umsatzziele nicht erreicht werden und sie dauerhaft unter die Kleinunternehmer-Grenzen fallen, ist möglich. Haben Sie allerdings bereits bei der Unternehmensgründung freiwillig auf die Anwendung verzichtet, sind Sie mindestens fünf Jahre an diese Entscheidung gebunden. Ein Wechsel auf die Kleinunternehmerregelung ist also erst im sechsten Jahr möglich.

Wollen Sie wechseln, darf der Vorjahresumsatz Brutto, also inkl. Umsatzsteuer, nicht über 17.500 Euro liegen.

Sind beide Kriterien erfüllt, also sie liegen nicht innerhalb der 5-Jahres-Frist nach Unternehmensgründung und der Bruttoumsatz des Vorjahres liegt unter 17.500 Euro, reicht eine Mitteilung an Ihr zuständiges Finanzamt. Besondere Formvorschriften müssen Sie dabei nicht beachten.

Ist ein Wechsel von der Kleinunternehmerregelung zur Regelbesteuerung möglich?

Der andere Weg, also von der Kleinunternehmerregelung hin zur „normalen“ Regelbesteuerung ist jederzeit möglich. Das wird besonders dann der Fall sein, wenn Sie die Umsatzgrenzen  der Kleinunternehmerregelung offensichtlich überschritten werden.

Allerdings werden Sie nicht darüber informiert, dass Sie Grenzen überschreiten und dadurch die Kleinunternehmerregelung ihre Gültigkeit verliert. Dafür müssen Sie als Unternehmer selbst Sorge tragen und auf zukünftigen Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen (und Vorsteuer abziehen)!

Fallen Sie irgendwann mit dem Umsatz wieder unter die 17.500 Euro Umsatzgrenze zurück, können sie wieder in die Kleinunternehmerregelung wechseln.

Ist eine Befreiung von der Kleinunternehmerregelung möglich?

Auch wenn ein Unternehmer mit seinem Umsatz unter die Kleinunternehmerregelung fällt und damit eigentlich für erzielte Umsätze die Umsatzsteuer nicht erhoben werden muss, kann er auf die Anwendung freiwillig verzichten. Dann muss er auf Ausgangsrechnungen die Umsatzsteuer aufführen und regelmäßig (monatlich oder vierteljährlich) eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

Positiv dabei: Er ist vorsteuerabzugsberechtigt und kann sich bereits gezahlte Vorsteuerbeträge über die Umsatzsteuervoranmeldung zurückholen. Gerade in der Gründungshase ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, wenn noch keine Umsätze anfallen, aber viele Anschaffungen getätigt werden müssen!

Verzichtet der Unternehmer aber auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung, dann ist diese Entscheidung für mindestens fünf Jahre bindend (§19 Abs. 2 UStG).

Fazit

Die Kleinunternehmerregelung lohnt sich vor allem für Gründer, bei denen der Umsatz zum Start in die Selbstständigkeit die Umsatzgrenzen nicht überschreiten wird, die aber gleichzeitig keine großen Investitionen tätigen müssen. Dann entfällt zum Beispiel die regelmäßig zu erstellende Umsatzsteuervoranmeldung. Die Anwendung ist meist bei einer nebenberuflichen Gründung interessant, da hier die Umsätze zu Beginn nicht so hoch ausfallen dürften.

Wer dagegen bereits zu Beginn seiner Tätigkeit große Investitionen tätigen muss, auch (oder besonders) bei geringen Umsätzen, für den kann sich auch eine freiwilliger Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung lohnen. Denn durch den Vorsteuerausgleich erhält man anfangs alle auf notwendige Anschaffungen gezahlte Vorsteuer direkt vom Finanzamt zurück.

Grundsätzlich gilt auch zu beachten, dass die Anwendung für Vollzeitunternehmer auch einen Reputationsnachteil haben kann. Denn das man die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, muss auf jeder Rechnung ausgewiesen. Und soteilt damit somit jedem Kunden direkt mit, dass man jährlich nicht mehr als 17.500 Euro erwirtschaftet.

 

Bildquelle: Pixabay

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