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Geringfügige Beschäftigung: Das gilt es zu beachten!

by UInfo
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Mehr als 7,8 Mio. geringfügig Beschäftigte gibt es inzwischen in Deutschland (Stand 2017). Davon gehen ca. 5 Mio. ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, ca. 2,7 Mio. tun es im Nebenjob. Damit machen die sogenannten „Minijobber“ inzwischen fast ein Viertel aller Arbeitsverhältnisse in Deutschland aus.

Beliebt bei Arbeitgebern ist die geringfügige Beschäftigung vor allem deshalb, weil dadurch vergleichsweise unbürokratisch Arbeitskräfte beschäftigt werden können, für die sich keine Vollzeitstelle lohnt bzw. wenn kurzfristig ein erhöhtes Arbeitspensum zu bewältigen ist. Zudem ist die Abrechnung aufgrund der Abführung von Pauschalabgaben für den Arbeitgeber vereinfacht.

Die geringfügige Beschäftigung lässt sich unterscheiden in die geringfügig entlohnte Beschäftigung (Minijob) und die kurzfristige Beschäftigung (Saisonbeschäftigungen). Im diesem Beitrag erklären erfahren Sie, was Sie als Arbeitgeber hinsichtlich Arbeitszeitregelung, Mindestlohn, Urlaubsanspruch, Sozialabgaben oder Kündigungsfristen bei einer geringfügig entlohnten Beschäftigung beachten müssen. Alles Wichtige zur kurzfristigen Beschäftigung haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Verdienst bei einer geringfügigen Beschäftigung

Geringfügige Beschäftigungen sind auch als „450-Euro-Jobs“ bekannt, da die monatliche Einkommensgrenze seit der Neuregelung 2013 bei 450 Euro liegt. Das ist der Maximalverdienst, den geringfügig Beschäftige „regelmäßig“ monatlich verdienen dürfen. Das erwartete jährliche Arbeitsentgelt aus der Beschäftigung darf also nicht 5.400 Euro übersteigen.

Relevant für die Berechnung der Jahresgrenze von 5.400 Euro sind neben den Zahlungen, die der Minijobber regelmäßig wiederkehrend in den 12 Monaten erhält, auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Die Jahreshöchstgrenze darf nur ausnahmsweise überschritten werden, z.B. um auf kurzfristige und unerwartete Schwankungen flexibel reagieren zu können. Dann darf die monatliche Höchstgrenze von 450 Euro maximal drei Monate im Jahr überschritten werden.

Arbeitszeitregelung bei geringfügiger Beschäftigung

Mit der Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung im Januar 2013 ist die Festlegung einer maximalen Arbeitszeit, die vorher auf 15 Wochenstunden limitiert war, entfallen. Das bedeutet, dass eine Regelung ausschließlich über die Verdienstgrenze erfolgt.

Da der gesetzlich geregelte Mindestlohn aktuell (06/2018) bei 8,84 Euro liegt, errechnet sich eine maximale monatliche Arbeitszeit von knapp 51 Stunden (450 Euro / 8,84 Euro/h = 50,9 h).

Sozialabgaben

Für den Arbeitnehmer ist die geringfügige Beschäftigung eingeschränkt sozialversicherungsfrei. Lediglich 3,7% muss er als Beitrag an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, dafür erwirbt er volle Leistungsansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Davon kann sich der Minijober aber durch schriftlichen Antrag beim Arbeitgeber befreien lassen.

Der Arbeitgeber muss an die Bundesknappschaft für einen Minijober monatlich ein Pauschale abführen, die folgende Komponenten berücksichtigt:

  • Rentenversicherung: Der Arbeitgeber zahlt einen Pauschbetrag von 15 Prozent.
  • Krankenversicherung: 13 Prozent zahlt der Arbeitgeber an Pauschalbeträgen.
  • Lohnsteuer: Auch die Lohnsteuer in Höhe von 2 Prozent wird als Pauschbetrag direkt an die Bundesknappschaft abgeführt. Die fälligen neun Euro werden in den meisten Fällen vom Arbeitgeber übernommen, er kann sie aber auch vom Arbeitnehmer einbehalten.

Alternativ zur Pauschalisierung der Lohnsteuer kann diese auch per Lohnsteuerabzug durchgeführt werden. Das Variante ist sinnvoll für Arbeitnehmer, die ihren Jahresfreibetrag nicht überschreiten, d.h. für die überhaupt keine Lohnsteuer anfällt.

Meldung zur Unfallversicherung

Auch Minijobber müssen vom Arbeitgeber bei der gesetzlichen Unfallversicherung gemeldet werden, es besteht Beitragspflicht. Die Beiträge trägt der Arbeitgeber.

Arbeitsrecht

Arbeitsrechtlich betrachtet gelten Minijobber als Teilzeitkräfte, deshalb gelten für geringfügig Beschäftige die gleichen Regelungen z.B. zu Urlaubsanspruch, Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall sowie den gesetzlich geregelten Kündigungsfristen wie für einen Vollzeitjob. Es gilt der Grundsatz der Gleichberechtigung, weshalb Minijobber gegenüber Vollzeitbeschäftigten nicht benachteiligt werden dürfen.

Urlaubsanspruch

Geringfügig Beschäftigte haben den gleichen Urlaubsanspruch wie Vollzeitbeschäftigte im Unternehmen (entsprechend dem Grundsatz der Gleichberechtigung, mindestens aber die jährlich gesetzlich geregelten 24 Tage. Der tatsächliche (individuelle) Urlaubsanspruch errechnet sich dann entsprechend der Werktage, die der Minijobber pro Woche arbeitet.

Arbeitsvertrag bei geringfügiger Beschäftigung

Auch für eine geringfügige Beschäftigung muss ein Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen werden, der alle auch für einen Vollzeitjob wichtigen Punkte wie Angaben zu Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Wochenarbeitszeit, Entgelt, Urlaubsanspruch oder Angaben zu den Kündigungsfristen enthalten muss. Aufgrund der Möglichkeit des Arbeitnehmers zur Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung sollte ein Hinweis auf diese Versicherungsfreiheit enthalten sein.

Um den Vertrag rechtssicher abzuschließen, ist er von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zu unterschreiben. Deshalb sollte auch ein Vertrag mit einem Minijobber immer schriftlich abgeschlossen werden.

Kündigungsfristen

Für eine geringfügige Beschäftigung gelten die gleichen (gesetzlichen) Kündigungsfristen wie für einen Vollzeitjob.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Auch Minijobber haben Anspruch auf eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von seinem Arbeitgeber. Ist er aber länger als 6 Wochen krank, bekommt er – anders als bei einem Vollzeitjob – kein Krankengeld von seiner Krankenkasse.

Fazit

Durch geringfügig Beschäftige können Arbeitgeber Mitarbeiter einstellen, die Aufgaben im Unternehmen übernehmen, für die kein Budget für einen Vollzeitjob vorhanden ist. Außerdem können durch Minijobber kurzfristige Auftragsspitzen abgefangen oder Krankheitszeiten anderer Mitarbeiter überbrückt werden. Durch die pauschalisierte Abrechnung an die Bundesknappschaft hält sich auch der bürokratische Aufwand bei überschaubaren Lohnnebenkosten in Grenzen.

 

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