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Geld für die Gründung: Die besten Finanzierungsquellen für Startups

by UInfo
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„Aller Anfang ist schwer.“ Eine Binsenweisheit, die auf viele Bereiche des Lebens zutrifft, gilt auch bei der Gründung eines Unternehmens. Besonders dann, wenn die Gründung kapitalintensiv ist, die eigenen Rücklagen aber überschaubar sind. Denn nicht nur die Geschäftsidee an sich muss finanziert werden, auch der eigene Lebensunterhalt sollte abgesichert sein. Zumindest so lange, bis das eigene Unternehmen ein entsprechendes Geschäftsführergehalt ermöglicht.

Deshalb  muss sich jeder Gründer von Anfang an die Frage stellen, woher das Startkapital kommen soll. Und bereits im Businessplanes im Rahmen der Kapitalbedarfsplanung und Finanzierungsplanung beantworten. Im folgenden Beitrag stellen wir Ihnen die besten Finanzierungsquellen vor, bei denen Gründer Geld für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee bekommen können.

]Rund 72 Prozent aller Existenzgründer greifen auf Eigenkapital zurück, wenn sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag von American Express, die 2016 und 2017 unter 252 Startups durchgeführt wurde. Damit bleibt das selbst Ersparte weiterhin das meistgenutzte Finanzierungsinstrument. Nur 26 Prozent nehmen zum Start Risikokapital in Anspruch, suchen also Unterstützung bei Finanzinvestoren wie Business Angels oder Venture Capitalists. Sonstige Finanzierungsquellen werden nur zu 22 Prozent angezapft.

Die häufigste Form: Finanzierung mit Eigenkapital

Erfolgt die Gründung ausschließlich mit Eigenkapital, spricht man häufig auch vom Bootstrapping. Das gesamte für die Gründung benötigte Kapital kommt also aus der eigenen Tasche, selbst gespart oder geliehen. Aber auch das Unternehmenswachstum wird beim Bootstrapping komplett aus dem Cash-Flow finanziert.

Vorteile der Eigenkapitalfinanzierung

Wer ausschließlich mit Eigenkapital gründet, bleibt in all seinen Entscheidungen völlig unabhängig. Kein Geldgeber, der bei wichtigen Entscheidungen mitreden will und diese eventuell sogar blockiert. Das erhöht auch die Flexibilität und damit die Fähigkeit, schnell auf veränderte Marktbedingungen reagieren zu können. Werden später Gewinne erzielt, müssen diese nicht an Kapitalgeber ausgeschüttet werden, sondern verbleiben allein beim Gründer.

Und nicht zuletzt dürfte auch die Motivation des Gründers deutlich höher sein, wenn ausschließlich sein Geld im Unternehmen steckt.

Nachteile der Eigenkapitalfinanzierung

Der größte Nachteil einer Finanzierung nur mit Eigenkapital liegt auf der Hand: Das Geld ist in den meisten Fällen knapp und dadurch verzögern sich evtl. wichtige Entscheidungen, die mit ausreichend Kapital zügig umgesetzt würden.

Außerdem bringen externe Kapitalgeber durch Investments in andere Unternehmen jede Menge Erfahrung, Know-how und ein großes Netzwerk mit. Auf dieses Wissen verzichtet der Gründer, wenn er sich keine Investoren mit ins Boot holen möchte. Dadurch erhöht sich auch das Risiko, das Fehlentscheidungen das Unternehmenswachstum gefährden.

Family and Friends

Die Finanzierung durch Geld, was man sich bei Freunden, Bekannten oder der Familie besorgt, gehört zum Bootstrapping, sofern sich der Gründer das Geld bei diesen leiht und als sein Eigenkapital ins Unternehmen einbringt. Investieren „Family & Friends“ ihr Kapital allerdings direkt ins Unternehmen und erhalten dafür auch Unternehmensanteile, treten sie als Investoren auf und müssen auch so behandelt werden. Sie erwerben als Gesellschafter ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen und haben einen Anspruch auf Unternehmensgewinne.

Geld von Investoren

In Amerika schon lange Standard, wächst auch in Deutschland zunehmend der Anteil der Finanzierung durch Investoren, sogenannten Risikokapitalgebern. In der Frühphase der Unternehmensgründung steigen meist Business Angels ein, in späteren Finanzierungsphasen werden dagegen die Anteile häufig von Venture Capital-Gesellschaften (VCs) übernommen. Bei dieser Finanzierungsform handelt es sich ebenfalls um Eigenkapital, das von Dritten für das Unternehmen bereitgestellt wird.

Business Angel-Finanzierung in der Frühpase

Business Angel (BA) sind meistens Unternehmer, die erfolgreich ihr Unternehmen führen oder dieses schon verkauft haben. Mit dem verfügbaren Kapital beteiligen sie sich an jungen Startups, um dadurch eine über dem marktüblichen Zins liegende Kapitalrendite zu erzielen. Neben dem bereitgestellten Kapital stellen Business Angel häufig auch ihr Fachwissen und Netzwerk zur Verfügung und bringen sich als Berater in das Startup ein. Der Gründer profitiert somit neben dem bereitgestellten Kapital auch vom Know-How und Netzwerk des BA. Allerdings muss der Gründer für das Kapital auch Anteile an seinem Unternehmen abgeben, wodurch der BA ein Mitspracherecht bei wichtigen Gesellschaftsangelegenheiten erhält. Je größer der abgegebene Unternehmensanteil, desto größer das Mitspracherecht des BA.

Venture Capitalists in späteren Phasen

Während BAs häufig als Frühphaseninvestoren auftreten, investieren VCs in späteren Unternehmens- und damit Finanzierungsphasen. Meist handelt es sich um Gesellschaften, die sich auf spezielle Branchen spezialisieren und dort Startups Kapital zur Verfügung stellen. Auch VCs bringen meist Know-how und ein großes Netzwerk mit. Wie beim BA, so liegt die Intension für den Einstieg eines VC ebenfalls in der Erzielung einer überdurchschnittlichen Kapitalrendite, d.h. die Anteile sollen zu einem höheren Preis verkauft werden, als sie beim Einstieg gekostet haben. Deshalb wird der VC auf die Gründer häufig auch Druck ausüben, damit das Startup überdurchschnittlich schnell wächst. Zu diesem Zweck lassen sich VCs bei der Durchführung einer Kapitalerhöhung vertraglich umfangreiche Mitspracherechte einräumen.

Die Finanzierungssummen durch VCs liegen meist deutlich über denen von Business Angels.

Geld von der Crowd

Eine gerade in den letzten Jahren bei Startups immer beliebter gewordene Finanzierungsform ist das Crowdfunding. Das Geld wird dabei von einer Vielzahl von Einzelpersonen bereitgestellt, die sich entweder am Startup direkt beteiligen (Crowdinvesting), diesem ein Darlehen gewähren (Crowdlending) oder für eine finanzielle Unterstützung eine Gegenleistung erhalten (Crowdfunding). Startups stellen dazu ihre Idee auf einer der vielen Crowdfunding-Plattformen vor, Besucher der Plattform können dem Startup Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnliche Mittel zukommen lassen. Das Risiko verteilt sich dabei auf viele Schultern (Crowd bzw. Schwarm), die investieren Einzelbeträge sind dabei vergleichsweise niedrig.

Gründerwettbewerbe

Wer eine innovative Geschäftsidee vorweisen kann oder auf anderem Wege mit seinem Startup Neuland betritt, kann es auch bei einem der zahlreichen Gründerwettbewerbe versuchen. Viele dieser Wettbewerbe locken mit hohen Preisgeldern, die eine gute Startfinanzierung sind und direkt das Eigenkapital erhöhen. Meist richten sich die Gründerwettbewerbe an eine bestimmte Branche oder Region, weshalb im Vorfeld sorgfältig geplant werden sollte, an welchen Wettbewerben eine Teilnahme lohnt.

Fremdkapital

Die bislang vorgestellten Möglichkeiten der Startup-Finanzierung haben gemeinsam, dass sie das Eigenkapital des Unternehmens erhöhen. Wenn der Gründer also mit der Geschäftsidee scheitert, dann ist im schlimmsten Falle sein Geld oder das der Investoren weg. Im schlimmsten Fall drohen also unangenehme Gespräche mit Freunden, Bekannten oder den Investoren.

Anders ist die Situation, wenn die Gründungsfinanzierung mit Fremdkapital erfolgt. Denn das muss, inkl. entsprechender Verzinsung, zurückgezahlt werden, ob das Startup nun erfolgreich war oder nicht. Und kann deshalb einen Gründer im Zweifel auch noch Jahre nach einer gescheiterten Unternehmensgründung belasten. Positiver Aspekt einer Fremdkapital-Finanzierung ist, dass der Gründer weiterhin der „Herr im Hause“ bleibt, da er z.B. für einen Kredit keine Unternehmensanteile abgeben und damit Dritten auch kein Mitspracherecht einräumen muss.

Trotzdem sollten Gründer, die in kapitalintensiven Branchen ein Unternehmen aufbauen möchten, den Investor einem Bankkredit vorziehen.

Kredit von der Bank

Die weiterhin häufigste Form der Fremdfinanzierung ist der Kredit von der Bank. Um den Bankberater von der eigenen Idee zu überzeugen, sollten Gründer gut vorbereitet in das Bankgespräch gehen. Dazu gehört ein hieb- und stichfester Businessplan, der die eigene Geschäftsidee realistisch beschreibt. Zum Businessplan gehört neben der Geschäftsidee, dem Gründerteam und dem Marktpotential auch eine belastbare Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplanung sowie eine Rentabilitäts- und Liquiditätsrechnung für die ersten Jahre der Geschäftstätigkeit. Kritische Fragen zur Geschäftsidee sollte der Gründer jederzeit beantworten können.

Wer zur Finanzierung eines Startup einen Bankkredit aufnimmt, sollte unbedingt mehrere Anbieter vergleichen, da die Zinsen unter den Banken häufig weit auseinanderliegen können. Zudem gibt es oft Sonderkonditionen für Gründer, auch hier sollte man sich ausführlich beraten lassen.

Förderdarlehen

Auch ein Kredit, aber meist zu wesentlich besseren Konditionen als von der Bank, sind Förderdarlehen, die von Bund, Ländern oder auch der Europäischen Union bereitgestellt werden. So bietet zum Beispiel die KfW für Gründer Angebot wie den ERP-Gründerkredit (Startgeld) oder ERP-Kapital zur Gründung. Um im Dschungel der Fördermöglichkeiten die passende Finanzierung zu finden, empfiehlt sich eine professionelle Gründerberatung. Eine kleine Überblick über die Fördermöglichkeiten der KfW gibt es hier.

Neben der direkten Förderung durch Förderdarlehen gibt es auch die Möglichkeit von Bürgschaften durch Fördereinrichtungen von Bund und Ländern. Sowohl für Förderkredite als auch für Bürgschaften ist die eigene Hausbank eine wichtige Anlaufstelle, da über diese auch die Antragstellung läuft.

Staatliche Fördermittel

Eine Form der staatlichen Förderung von Existenzgründungen ist auch der Gründungszuschuss. Zwar wird dieser, anders als noch vor ein paar Jahren, weitaus seltener gewährt. Trotzdem sollten Gründer, die aus der Arbeitslosigkeit gründen, diese Möglichkeit der Gründungsfinanzierung beantragen.

Einen Antrag auf Gründungszuschuss kann stellen, wer Arbeitslosengeld I bezieht und der Restanspruch auf die Zahlung mindestens 150 Tage beträgt. Die Gewährung des Gründungszuschusses liegt im Ermessen der Arbeitsagentur. Wer den Gründungszuschuss erhält, bekommt aktuell 6 Monate lang einen Zuschuss in Höhe des zuletzt gezahlten Arbeitslosengeldes zuzüglich monatlich 300 Euro für die soziale Absicherung. Danach können für weitere 9 Monate nochmals monatlich 300 Euro gezahlt werden.

Eine weitere staatliche Fördermöglichkeit ist der sogenannte Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS), mit dem auch Coaching-Maßnahmen im Rahmen der Existenzgründung gefördert werden können. Förderdetails sowie Fördervoraussetzungen sollten mit dem Betreuer der Agentur für Arbeit abgestimmt werden.

 

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