Home OrganisationBuchhaltung Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) oder Bilanz erstellen? Kriterien sowie die Vor- und Nachteile im Überblick

Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) oder Bilanz erstellen? Kriterien sowie die Vor- und Nachteile im Überblick

by UInfo
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Unternehmer, die nach §1 Handelsgesetzbuch (HGB) ein Handelsgewerbe betreiben und damit Kaufleute sind, sind buchführungspflichtig. Ein Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, der ein nach Art oder Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Und nach §238 HGB ist jeder Kaufmann verpflichtet, Bücher zu führen und dort seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen.

Neben dem Handelsgesetzbuch (Handelsrecht) regelt die Pflicht zur doppelten Buchführung auch die Abgabenordnung (AO). Die AO 141 definiert Grenzwerte, bis zu denen nicht eingetragene Gewerbetreibende durch eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) ihren Jahresgewinn ermitteln können. Im folgenden Beitrag erklären wir Ihnen, wo diese Grenzen liegen und was bei der Wahl der richtigen Gewinnermittlungsmethode zu achten ist.

Buchführungspflichtige Gewerbetreibende

Aufgrund der Bestimmungen aus §1 HGB sind alle im Handelsregister eingetragenen Unternehmen wie z.B.

  • Aktiengesellschaften,
  • Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH),
  • Offene Handelsgesellschaften (oHG) und
  • Unternehmergesellschaften (UG)

verpflichtet, ihren Gewinn durch Anwendung der doppelten Buchführung und Erstellung einer Bilanz zu ermitteln. Das trifft außerdem auch auf eingetragene Kaufmänner (e.K.) zu.

Nicht buchführungspflichtige Gewerbetreibende

Gewerbetreibende, die kein Kaufmann und nicht im Handelsregister eingetragen sind sowie Land- und Forstwirte, deren:

Gewinnunter 60.000 Euro bzw.
Umsatzunter 600.000 Euro liegt,

sind nach §141 AO nicht buchführungspflichtig. Diese Gewerbetreibenden können auf die aufwendige Bilanzierung verzichten und ihren Gewinn durch eine Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermitteln.

Unabhängig von Umsatz und Gewinn müssen Freiberufler immer nur eine EÜR erstellen. In §18 Abs. 1 EStG ist geregelt, welche Berufe unter die Regelung für Freiberufler fallen.

Wahlrecht der Gewinnermittlungsart

Die genannten nicht buchführungspflichtigen Gewerbetreibenden haben aber ein Wahlrecht ihrer Gewinnermittlungsart. Wird das Wahlrecht ausgeübt, dh. der Steuerpflichtige wechselt von der EÜR zur Bilanz, dann ist er für drei Jahre an seine Entscheidung gebunden und kann die Entscheidung nur dann rückgängig machen, wenn ein besonderer Grund (z.B. veränderte wirtschaftliche Verhältnisse, Unternehmensumwandlung) vorliegt.

Nach Ablauf der drei Jahre kann die Gewinnermittlungsart wieder ohne Angabe von Gründen gewechselt werden. Allerdings ist dafür eine entsprechende Feststellung vom Finanzamt einzuholen.

Vergleich Bilanz und Einnahme-Überschuss-Rechnung

Bei der EÜR werden alle betrieblich veranlassten Einnahmen und Ausgaben notiert. Am Jahresende werden alle Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen abgezogen, die Differenz ist der verbleibende Gewinn. Es gilt das „Zufluss-Abfluss-Prinzip“, d.h. maßgeblich für die Zurechnung in ein Geschäftsjahr ist der Zeitpunkt des Zuflusses der Einnahmen bzw. des Abflusses der Ausgaben. Die EÜR gibt damit keinerlei Aufschlüsse über die tatsächliche Vermögenssituation des Unternehmens. Nicht ersichtlich ist außerdem, wie das Vermögen aufgeteilt (Anlage- und Umlaufvermögen) und finanziert (Eigenkapital, Fremdkapital) ist.

Bei der doppelten Buchführung wird der Gewinn durch einen Betriebsvermögensvergleich ermittelt und ergibt sich aus der Differenz des Betriebsvermögens am Jahresende abzüglich des Betriebsvermögens am Jahresanfang. Das Betriebsvermögen errechnet sich aus der Summe von Anlage- und Umlaufvermögen abzüglich der Schulden. Um die Differenz des Betriebsvermögens von Jahresanfang und Jahresende zu ermitteln, müssen eine Eröffnungs- und eine Schlussbilanz erstellt werden.

Obwohl die EÜR mit deutlich weniger Aufwand verbunden ist als die Bilanzierung, nutzen auch Gewerbetreibende, die dazu nicht verpflichtet sind, freiwillig die Bilanzierung. Gründe, die für die Bilanzierung sprechen, sind u.a.:

  • leichtere Kapitalaufnahme, da Banken bei der Vergabe von Krediten häufig eine Bilanz verlangen
  • bessere Steuerungsmöglichkeiten, z.B. durch stichtagsbezogene Auswertungen im Rahmen einer Betriebswirtschaftlichen Auswertung,
  • ein genaueres Bild über die tatsächliche Vermögenslange des Unternehmens
  • Erfassung von Sachverhalten, die sich in der doppelten Buchhaltung gewinn- bzw. steuermindernd auswirken (z.B. Abschreibungen, Rückstellungen etc.).

Fazit

Gewerbetreibende, die nach §141 AO nicht buchführungspflichtig sind, können bei der Art der Gewinnermittlung zwischen der Einnahme-Überschuss-Rechnung und der Bilanzierung wählen. Während die EÜR einfach und mit vergleichsweise wenig Aufwand erstellt werden kann, bietet die Bilanz weitaus mehr Auswertungs-, Steuerungs- und bilanzielle Gestaltungsmöglichkeiten.

Unternehmer sollten sich bereits bei der Unternehmensgründung genau überlegen, für welche Zwecke sie die Gewinnermittlung verwenden möchten. Dient sie lediglich zur Berechnung des Gewinns und der verbundenen Steuerlast, reicht die EÜR völlig aus. Sollen die Zahlen dagegen zur Unternehmenssteuerung eingesetzt werden, ist die doppelte Buchführung und Bilanzierung die bessere Wahl.

 

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