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Das perfekte Cap Table: So sind Sie auf Investorengespräche optimal vorbereitet

by UInfo
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Spätestens, wenn sich ein Investor an einem Unternehmen beteiligen möchte, muss die Anteilsverteilung unter den Gesellschaftern neu berechnet werden. Wie verschieben sich die Anteile der Gründer, wenn der Investor Anteile am Unternehmen erwirbt? Wie hoch sind nach einer Kapitalerhöhung noch die Anteile der Gründer bzw. welchen Einfluss haben externe Investoren jetzt auf die Geschicke des Unternehmens? Und welchem Unternehmenswert entspricht die Summe aller Gesellschafteranteile? Diese Fragen werden im Cap Table beantwortet, einer tabellarischen Aufstellung der Besitzverhältnisse im Unternehmen.

Aber auch wenn keine Beteiligung durch Investoren ansteht, sollte jedes Unternehmen über ein Cap Table verfügen und dieses immer aktuell halten. Denn neben der Dokumentation der aktuellen Besitzverhältnisse geht aus dem Cap Table auch hervor, wie sich die Gewinnverteilung gestaltet oder wie das Mitspracherecht bei wichtigen Firmenentscheidungen ist. Zudem dokumentiert das Cap Table auch, wie sich die Gesellschafteranteile im Laufe der Zeit, z.B. im Rahmen von bereits durchgeführten Kapitalerhöhungen, entwickelt haben.

Im diesem Beitrag erfahren Sie, auf was Sie bei der Erstellung eines Cap Table unbedingt achten sollten, damit Sie z.B. bei Investorengesprächen optimal vorbereitet sind.

Ein Cap Table ist aber nicht nur eine statische Sicht der aktuellen Verteilung der Besitzverhältnisse bzw. der Gesellschafterstruktur im Unternehmen. Ein Cap Table ermöglicht zum einen, wie eingangs bereits erwähnt, auch den Blick zurück auf Veränderungen in der Gesellschafterstruktur, z.B. aufgrund von Kapitalerhöhungen oder Anteilsverkäufen von Gesellschaftern. Zum anderen, und das ist vermutlich die viel wichtigere Funktion eines Cap Table, ermöglicht es auch die Simulation zukünftiger Besitzverhältnisse, z.B. aufgrund einer geplanten Finanzierungsrunde. Was genau muss also im Cap Table stehen und wie sollte es aussehen, damit es optimal im Investorengespräch genutzt werden kann?

Warum brauchen Investoren ein Cap Table?

Junge Unternehmen durchlaufen bei der Unternehmensfinanzierung verschiedene Phasen. Das frisch gegründete Startup nimmt bei der Seed-Finanzierung erstes Kapital von Business Angels auf, später folgen dann oft professionelle Venture-Capital-Geber in Serie-A, Serie-B oder Serie C Finanzierungsrunden. Mit jeder Runde steigt die Anzahl der Investoren und das ganze Beteiligungsgebilde wird komplexer. Deshalb benötigen aktuelle und potentielle Investoren einen schnellen Überblick, der die Beteiligungsverhältnisse sichtbar macht. Zum einen, um den aktuellen Stand ihrer Anteile zu erfahren, zum anderen um die Anteilsverteilung nach einer neuen Finanzierungsrunde zu bestimmen.

Am Cap Table kann auch der gesamte Unternehmenswert nach der letzten Finanzierungsrunde abgelesen werden. Damit können Investoren den Wert ihrer Anteile bzw. des investierten Kapitals bestimmen, z.B. um diese in der eigenen Buchhaltung mit dem richtigen Wert anzusetzen. Werden Anteile verkauft, ist der Cap Table die erste Indikation was den Anteilswert betrifft.

Erwirtschaftet das Unternehmen irgendwann Gewinne, können Investoren (und natürlich auch alle anderen Anteilseigner) mittels des Cap Table den Gewinn bestimmen, der auf ihre Anteile entfällt.

Und nicht zuletzt können Investoren das Cap Table benutzen, um vor einer neuen Finanzierungsrunde zu simulieren, welchen Verwässerungseffekt auf ihre Anteile die Aufnahme neuer Gesellschafter hätte bzw. welchen Teil einer Kapitalerhöhung sie mitgehen müssten, um ihre Anteile stabil zu halten.

Welche Form hat ein Cap Table und was sollte drin stehen?

Die häufigste Form für ein Cap Table ist eine Excel-Tabelle. In dieser Tabelle werden mindestens die folgenden Daten erfasst:

  • Gesamter Unternehmenswert und Wert pro Anteil
  • Gesellschafter
  • Anteile der Gesellschafter
  • Eingebrachtes Kapital der Gesellschafter
  • Ais dem eingebrachten Anteilen resultierender Gewinnanspruch

In der tabellarischen Form lässt sich die Wertentwicklung der Anteile, des gesamten Unternehmenswertes sowie die sich verändernden Anteile der Unternehmer über die bislang erfolgten Finanzierungsrunden ablesen.

Die tabellarische Form des Cap Table sollte anschließend auch in grafischer Form, z.B. als Tortendiagramm mit der aktuellen Anteilsverteilung, abgebildet werden. Für Investorengespräche kann es außerdem ratsam sein, die Anteilsverteilung vor und nach einer Finanzierung separat (als Tabelle und grafisch) darzustellen.

Wichtig in der tabellarischen Darstellung des Cap Table ist die Integration einer Prognosefunktion. Damit kann direkt im Investorengespräch simuliert werden, welche Auswirkungen verschiedene unterstellte Unternehmenswerte bzw. Finanzierungshöhen auf die Anteilsverteilung haben.

Weiterhin hilfreich ist die Möglichkeit, in das Cap Table eine Pre-Money Bewertung, das aufgenommene Kapital der neuen Finanzierungsrunde sowie die daraus resultierende Post-Money Bewertung darzustellen.

Beispiel Cap Table

Beispiel Cap Table – Anteilsveränderungen über 4 Finanzierungsrunden inkl. Pre- und Post-Money-Bewertung

Cap Table selbst erstellen oder Templates nutzen?

Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Struktur der Anteilseigner wird, desto eher empfiehlt es sich, das Cap Table selbst zu erstellen und an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Direkt zur Unternehmensgründung, wenn die Struktur der Anteilseigner überschaubar ist und meist aus den Gründern und evtl. einigen wenigen Business Angels besteht, reicht ein einfaches Cap Table aus, wie es als Template im Internet zahlreich kostenlos heruntergeladen werden kann, z.B. hier und hier und hier. Die meisten Templates verfügen sogar schon über automatische Berechnungsfunktionalitäten.

Fazit

Ein Cap Table ist ein wichtiges Instrument, um bei Gesprächen mit Investoren diesen einen schnellen Überblick über die aktuelle sowie eine zukünftige Übersicht über die Struktur der Beteiligungsverhältnisse zu ermöglichen. Auf einen Blick lässt sich so ablesen, wer wie viele Anteile besitzt und was diese aktuell Wert sind.Zudem kann ein Cap Table genutzt werden, um im Gespräch mögliche Anteilsveränderungen sowie die resultierende Unternehmensbewertung zu simulieren.

Ein Cap Table sollte die Struktur der Beteiligungsverhältnisse seit der Unternehmensgründung abbilden und Veränderungen im Zeitverlauf, z.B. aufgrund von Finanzierungsrunden oder Anteilsübertragungen berücksichtigen. Deshalb empfiehlt es sich für Startups, bereits zur Unternehmensgründung ein Cap Table zu erstellen und dieses anlassbezogen zu aktualisieren.

 

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