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Alles was Sie zur Umsatzsteuervoranmeldung wissen müssen

by UInfo
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Unternehmer müssen in Deutschland eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. In dieser melden sie dem Finanzamt die beim Verkauf von Produkten und Dienstleistungen berechnete Umsatzsteuer sowie die aus dem Kauf von Produkten und Dienstleistungen gezahlte Vorsteuer. Aus eingenommener Umsatzsteuer und gezahlter Vorsteuer wird ein Saldo errechnet, der an das Finanzamt in elektronischer Form übermittelt wird. Je nach Saldo ergibt sich eine zu zahlende Umsatzsteuerschuld oder die Erstattung eines Vorsteuerüberschusses.

Was Unternehmer bei der Berechnung und Abgabe beachten sollten, haben wir in folgendem Beitrag zusammengefasst.

Warum muss eine Umsatzsteuervoranmeldung gemacht werden?

Bei der Umsatzsteuer handelt es sich um eine Jahressteuer. Das bedeutet, sie wird eigentlich im Rahmen einer Umsatzsteuer-Jahreserklärung für das abgelaufene Geschäftsjahr ermittelt. Aus dem Saldo aus eingenommener Umsatzsteuer für erzielte Umsätze und gezahlter Vorsteuer für bezogene Waren und Dienstleistungen ergibt sich die Umsatzsteuer-Jahresschuld. Um das Zahlungsausfallrisiko zu verringern und es Unternehmern zu ermöglichen, die Umsatzsteuerlast gleichmäßiger über das gesamte Jahr zu verteilen, wurde die Umsatzsteuervoranmeldung eingeführt.

Wie häufig muss die Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben werden?

Wie häufig die Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben werden muss, hängt von der im Vorjahr an das Finanzamt abgeführten Umsatzsteuer ab und wird vom Finanzamt festgelegt und ist nicht frei wählbar. Änderungen im Abgaberhythmus werden dem Unternehmer vom Finanzamt mitgeteilt.

Dabei gelten die folgenden Größen:

Umsatzsteuer des VorjahresAbgabehäufigkeit
0 bis 999 EuroJährliche Umsatzsteuererklärung
1.000 bis 7.500 EuroVierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung
> 7.500 EuroMonatliche Umsatzsteuervoranmeldung

Sonderfall Existenzgründung

Bei einer Neugründung muss innerhalb der ersten zwei Kalenderjahre die Umsatzsteuervoranmeldung immer monatlich abgegeben werden. Im dritten Jahr kann dann eine Veränderung des Abgaberhythmus beantragt werden, hier gelten dann die genannten Grenzen.

Abgabefristen für die Umsatzsteuervoranmeldung

Unabhängig von der Häufigkeit, mit der die Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben werden muss, ist die Umsatzsteuervoranmeldung immer bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldezeitraumes bei zuständigen Finanzamt einzureichen. Konkret bedeutet das, dass die Umsatzsteuervoranmeldung für den August bis spätestens 10. September abgegeben werden muss. Ist der 10. des Abgabemonates ein Samstag, Sonntag oder Feiertag, dann ist der Abgabestichtag der nächstfolgende Werktag.

Dauerfristverlängerung verlängert Abgabefrist

Die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung kann durch die Beantragung einer Dauerfristverlängerung um einen Monat verlängert werden. Die Dauerfristverlängerung kann ohne Begründung beim Finanzamt beantragt werden und wird in der Regel auch problemlos bewilligt. Praktisch bedeutet dass, dass dann die Umsatzsteuervoranmeldung für August erst zum Stichtag 10. Oktober eingereicht werden muss.

Wurde eine Dauerfristverlängerung genehmigt, muss bei monatlicher Abgabefrist jeweils eine Sondervorauszahlung von 1/11 der Summe der Vorauszahlungen aus dem Vorjahr geleistet werden. Bei Neugründungen sind die voraussichtlich erzielten Umsätze des Gründungsjahres Basis für die Berechnung. Die Sondervorauszahlungen werden dann bei der Umsatzsteuervoranmeldung im Dezember angerechnet.

Bei einer Dauerfristverlängerung bei vierteljährlicher Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung ist keine Sonderzahlung zu leisten.

Wie muss die Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben werden?

Die Höhe der Umsatzsteuerzahllast bzw. Umsatzsteuererstattung muss vom steuerpflichtigen Unternehmer bzw. Unternehmen selbst berechnet werden, weshalb es sich um eine sogenannte Anmeldesteuer handelt. Seit 2005 erfolgt die Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt online über die Elektronische Steuererklärung (ELSTER), einem Projekt der deutschen Steuerverwaltungen. Die ELSTER-Software ist kostenlos. Aber auch zahlreiche andere Anbieter bieten Programme, bei denen häufig die Berechnung der Zahllast bzw. Erstattung automatisch aus der laufenden Buchhaltung erfolgt und über eine vorhandene ELSTER-Schnittstelle an die zuständige Finanzbehörde übermittelt wird.

Die elektronische Übertragung der Umsatzsteuervoranmeldung muss seit 2013 zwingend authentifiziert werden.

Nur in Ausnahmefällen ist noch eine Abgabe in Papierform möglich (Härtefallregelung).

Wie wird die Umsatzsteuervoranmeldung berechnet?

Bei der Berechnung muss zwischen Soll- und Istversteuerung unterschieden werden.

Sollversteuerung

Die Umsatzsteuer auf verkaufte Waren bzw. Dienstleistungen ist sofort fällig, nachdem die Rechnung gestellt bzw. Leistung erbracht oder eine Anzahlung auf diese geleistet wurde. Das bedeutet, dass unter Umständen Umsatzsteuer abzuführen ist, obwohl das Geld vom Kunden noch gar nicht eingegangen ist, d.h. der Unternehmer in Vorleistung gehen muss. Relevant ist das Rechnungsdatum, nicht die Zahlung durch den Kunden.

Istversteuerung

Bei der Istversteuerung wird die Umsatzsteuer erst dann abgeführt, wenn der Kunde die Rechnung auch tatsächlich bezahlt hat. Relevant ist hier also der Zahlungszeitpunkt, nicht das Datum der Rechnung. Damit können auch mögliche Liquiditätsengpässe vermieden werden.

Welche Unternehmen die Istversteuerung beantragen können und was die dafür relevanten Kriterien sind, erfahren Sie in diesem Beitrag zu den Unterschieden der Soll- und Istversteuerung.

Berechnung

Zur Berechnung der Umsatzsteuervoranmeldung wird von der ermittelten Umsatzsteuer für die jeweilige Abrechnungsperiode (nach Soll- oder Istversteuerung) die Vorsteuer auf bezogene Waren oder Dienstleistungen  des Zeitraums abgezogen. Eine Vorsteuer ist abzugsfähig, wenn die vereinbarte Leistung erbracht wurde und die Rechnung dafür vorliegt. Der Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung spielt bei der Vorsteuer keine Rolle.

Ausnahme: Bei Anzahlungen ist die Vorsteuer dann abzugsfähig, wenn die Anzahlungsrechnung vorliegt und die Anzahlung auch geleistet wurde.

Erfassung der Daten zur Umsatzsteuervoranmeldung in ELSTER

Die wichtigsten (und gängigsten) Daten zur Umsatzsteuervoranmeldung werden in ELSTER online wie folgt erfasst und übermittelt:

  1. Umsätze mit 19% Umsatzsteuer sind in Zeile 81 einzutragen.
  2. An andere Unternehmen gezahlte Vorsteuerbeträge werden in Zeile 66 erfasst
  3. ELSTER errechnet automatisch die zu zahlende Umsatzsteuer bzw. Vorsteuererstattung und weist diese in Zeile 83 aus.
  4. Durchführen einer Plausibilitätsprüfung.
  5. Übermittlung der Daten an das Finanzamt.

Achtung: Bei den abziehbaren Vorsteuerbeträgen ist nicht der gesamte Umsatz, sondern nur die ausgewiesene Umsatzsteuer einzutragen!

Trotz Umsatzsteuervoranmeldung: Umsatzsteuer-Jahreserklärung wird trotzdem fällig

Trotz Abgabe der unterjährigen Umsatzsteuervoranmeldungen wird im Folgejahr eine Umsatzsteuer-Erklärung fällig. In dieser werden u.a. auch die bereites geleisteten Umsatzsteuer-Vorauszahlungen bzw. erhaltenen Vorsteuerüberschüsse erfasst. Erfolgte die unterjährige Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung immer korrekt, muss sich in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung eine Zahllast von 0,00 Euro ergeben.

 

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