Home Finanzierung Achtung Beteiligungsvertrag: Diese Klauseln sollten Sie unbedingt kennen

Achtung Beteiligungsvertrag: Diese Klauseln sollten Sie unbedingt kennen

by UInfo
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Will sich ein Investor signifikant an einem Unternehmen beteiligen, überwiegt bei den Gründern natürlich die Freude über die bevorstehende Kapitalspritze. Denn bis zur Zusage liegen häufig äußerst arbeitsintensive Wochen mit vielen Pitches und noch mehr Investorengesprächen hinter den Gründern und die Pläne für die Kapitalverwendung bereits in der Schublade. Mit dem frischen Kapital wäre endlich genügend Geld vorhanden, um das Wachstum auf das nächste Level zu heben. Nichts könnte jetzt schlimmer sein, als dass sich der Investor noch anders entscheidet und vor der Vertragsunterzeichnung abspringt, so dass sich alle Pläne plötzlich in Luft auflösen.

In diesem Umfeld sind Gründer schnell dazu bereit, Vertragsklauseln im Beteiligungsvertrag nicht so genau zu prüfen oder mögliche Nachteile billigend in Kauf zu nehmen bzw. zu akzeptieren, um den Einstieg des Investors nicht zu gefährden. Ein großer Fehler, der sich häufig erst Jahre später rächen kann.

Denn spätestens wenn neue Investoren in zukünftigen Finanzierungsrunden einsteigen wollen oder sogar der Unternehmensexit erfolgt, können sich damals im Beteiligungsvertrag unterschriebene Klauseln zum Nachteil der Gründer auswirken, finanziell oder beim Mitspracherecht in der eigenen Firma. Deshalb sollte man, trotz aller Euphorie, vor der Unterzeichnung den Beteiligungsvertrag genauestens prüfen und sich im Zweifel fachkundigen Beistand holen. Denn auf Investorenseite sitzen auf jeden Fall Profis, die sich bestens mit der Materie auskennen. Weshalb der Entwurf für den Beteiligungsvertrag in den allermeisten Fällen auch von Seiten des Investors kommen wird.

Damit Sie gut vorbereitet in die Vertragsverhandlungen gehen, erklären wir Ihnen hier die wichtigsten Klauseln, die Sie kennen sollten, um Ihre Rechte als Gesellschafter zu wahren.

Inhalt des Beteiligungsvertrags

Der eigentliche Beteiligungsvertrag im engeren Sinne regelt u.a. folgende Punkte:

  • Beteiligungsquote und Beteiligungskonditionen des Investors
  • Liquidationspräferenz (Liquidation Preference)
  • Verwässerungsschutz (Anti-Dilution-Klausel) und Bezugsrecht
  • Vesting-Regeln
  • Garantien durch die Gründer
  • Wettbewerbsverbot für die Gründer
  • Verbot von Nebentätigkeiten
  • Informationsrechte und Investoren-Reporting
  • Beirat
Beteiligungsquote und Beteiligungskonditionen des Investors

Die Beteiligungsquote regelt den prozentualen Anteil, mit dem sich der Investor durch die Kapitalbereitstellung am Unternehmen beteiligt. Unterschieden wird hier in die Pre-Money- und die Post-Money-Bewertung. Basis für den Beteiligungsvertrag ist die Pre-Money-Bewertung, also der Unternehmenswert vor dem Einstieg des Investors. Das durch den Investor bereitgestellte Kapital wird zur Pre-Money-Bewertung addiert, die Summe ergibt den Unternehmenswert nach der Kapitalerhöhung (die Post-Money-Bewertung).

Liquidationspräferenz (Liquidation Preference)

Mit der Liquidationspräferenz wird dem Investor ein Vorrecht eingeräumt, sollte es zu einem Verkauf (z.B. Exit) oder einer Liquidation des Unternehmens kommen. Er hat dann einen bevorzugten Zugriff auf den Verkaufserlös, bevor alle anderen Anteilseigner (z.B. die Unternehmensgründer) bedient werden. Dadurch kann der Investor sicherstellen, dass er zumindest sein eingesetztes Kapital zurückbekommt.

Verwässerungsschutz (Anti-Dilution-Klausel) und Bezugsrecht

Durch einen vereinbarten Verwässerungsschutz erhält der Investor das Recht, den von ihm gezahlten Preis pro Unternehmensanteil nachträglich zu reduzieren, sollte in einer späteren Finanzierungsrunde die Finanzierung zu einem niedrigeren Preis pro Anteil erfolgen. Außerdem wird dem Investor im Beteiligungsvertrag häufig auch ein Bezugsrecht eingeräumt, so dass er bei zukünftigen Finanzierungsrunden bei der Ausgabe von neuen Unternehmensanteilen pro rata teilnehmen kann und damit seinen prozentualen Anteil am Unternehmen stabil hält (also nicht verwässert).

Vesting-Regeln

Investiert ein Investor Kapital in ein Unternehmen, signalisiert er damit auch Vertrauen in die Gründer und deren Geschäftsidee. Sein Bestreben wird es deshalb auch sein, dass die Gründer nach seinem Einstieg an Bord bleiben und durch ihre Arbeit den Unternehmenswert weiter steigern. Deshalb werden im Beteiligungsvertrag meist Vesting-Regeln vereinbart. Diese legen fest was passiert, sollte der Gründer das Unternehmen vorzeitig verlassen. Meist sind die Vesting-Regeln mit Anteilsverlusten verbunden. Unterschieden wird zwischen den sogenannten „Good-Leaver-“ und „Bad-Lever-Regelungen“, d.h. abhängig vom Grund für das Verlassen des Unternehmens sowie vom Zeitpunkt müssen weniger (Good Leaver) bzw. mehr (Bad Leaver) Anteile abgegeben werden.

Garantien durch die Gründer

In der Praxis werden Investoren vor einem Investment immer eine ausführliche Due Dilligence (Unternehmensprüfung) durchführen, um die Risiken für ihre Investition zu reduzieren. Da aber nie alle Risiken ausgeschlossen werden können, verlangen viele Investoren von den Gründern Garantien, die im Beteiligungsvertrag festgehalten werden. Gründer sollten beachten, dass die abgegebenen Garantien persönliche Garantien sind. Werden sie nicht eingehalten, haften die Gründer mit ihrem Privatvermögen.

Typische Garantien können z.B. sein:

  • Rechtswirksame Gründung und Eintragung der Gesellschaft
  • Grundkapital ist vollständig eingezahlt
  • Zugesicherte Rechte an Patenten, Marken und Domains sind tatsächlich vorhanden
  • Steuererklärungen wurden immer ordnungsgemäß abgegeben, außerdem bestehen keine Steuerschulden
  • Notwendige Genehmigungen sind tatsächlich vorhanden
  • Branchenübliche Versicherungen zur Risikoabsicherungen sind abgeschlossen und Beiträge gezahlt
Wettbewerbsverbot für die Gründer

Investiert der Investor in ein Unternehmen, investiert er in die Geschäftsidee UND die Gründer. Deshalb wird ihm auch daran gelegen sein, dass die Gründer all ihre Kraft in den Erfolg ihrer Geschäftsidee investieren, und zwar nur in diese. Deshalb enthält der Beteiligungsvertrag meist eine Klausel, die den Gründern zum einen jegliche Konkurrenztätigkeit untersagt und zum anderen auch verbietet, für eigene oder fremde Rechnung für Konkurrenten aktiv zu werden. Das Wettbewerbsverbot gilt meist auch nach dem Ausscheiden des Gründers aus der Gesellschaft für einige Zeit weiter (bis zu zwei Jahre).

Verbot von Nebentätigkeiten

Ebenfalls untersagt wird per Beteiligungsvertrag den Gründern häufig jegliche Form der Nebentätigkeit. Hier gilt die gleiche Begründung, wie im vorherigen Punkt: Der Investor möchte sicherstellen, dass die Gründer all ihre Kraft in die erfolgreiche Umsetzung der Geschäftsidee investieren und nicht durch weitere Tätigkeiten abgelenkt sind.

Informationsrechte und Investoren-Reporting

Investiert ein Investor Geld in ein Unternehmen, möchte er auch regelmäßig und zeitnah über alles Wichtige informiert werden. Das dem Investor als Gesellschafter zugesicherte gesetzliche Auskunftsrecht reicht häufig nicht aus. Deshalb wird im Beteiligungsvertrag ein erweitertes Informationsrecht geregelt und garantiert dem Investor ein „Investoren-Reporting“, in dem er über vereinbarte Informationen wie KPIs, Meilensteine oder  außergewöhnliche Entwicklungen informiert wird. So ist er in der Lage, jederzeit über die wichtigen Entwicklungen im Unternehmen informiert zu sein und sein Investment zu steuern.

Beirat

Wollen Investoren verstärkt in Unternehmensbelange eingebunden sein, kann die Einrichtung eines Beirates vereinbart werden. Gesetzlich ist ein Beirat bei einer GmbH nicht vorgesehen, weshalb das eine zusätzliche Vereinbarung im Beteiligungsvertrag ist. Der Beirat berät die Geschäftsführung und ist eine wichtige Schnittstelle zwischen Geschäftsführung und Investoren. Der Beirat ist meist mit Vertretern des Investors und Branchenkennern besetzt.

Fazit

So groß die Freude über den Einstieg eines Investors auch ist, die bisherigen Gesellschafter sind trotzdem gut beraten, vor Unterzeichnung den Beteiligungsvertrag genauestens zu prüfen. Dadurch vermeiden sie, dass Nachteile aus einzelnen Klauseln die Vorteile der Kapitalspritze überwiegen und damit von Anfang an Missverständnisse zwischen Investor und Unternehmensgründern bzw. Altgesellschaftern vermieden werden.

 

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